Donnerstag, 23. Juni 2016

Terrassentisch selber bauen - Tischplatte

Was soll man machen, wenn man eine große Verwandtschaft hat, aber dafür der Terrassentisch zu klein ist? Man muss sich eben einen größeren bauen.
Da dieser Tisch ständig der Witterung ausgesetzt ist will ich zumindest bei der Tischplatte ein Material verwenden, das diesen Ansprüchen genügt: Beton!


Ja ihr habt richtig gelesen: die Tischplatte wird aus Beton gegossen! Warum gerade Beton? Beton ist bestimmt eines der am langlebigsten formbaren Materialien die ich kenne. Außerdem kommen Möbel aus diesem Werkstoff immer mehr in Mode und so werden zB. Arbeitsplatten, Waschbecken fürs Bad, Couchtische und viele andere Betonmöbel auch selbst hergestellt. Wie viele andere Trends auch kommt dieser aus Amerika, und da mir der Beton-Look gefällt, habe ich das Ganze mal ausprobiert.

Dimensionen

2,8m lang, 1m breit, 4cm dick ergibt ca. ein Gewicht von 240kg, nur die Tischplatte!
Eigentlich wollte ich den Tisch 3m lang machen, aber die für die Schalung notwendigen beschichteten Spanplatten waren nur in 2,8m Länge verfügbar. Typischerweise sind Esstische oder Terrassentische ca. 90cm breit. Da gibt es jedoch bei größeren Familienfeiern immer das Problem, dass bei der Vielzahl an Tellern das Essen nicht mehr Platz hat. Das soll mir nicht mehr passieren, und deshalb habe ich den Tisch 1m breit gemacht.
Die 4cm Dicke ist ein Kompromiss aus Dicke und Gewicht. bei 5cm wären es 300kg gewesen, und 3cm bestimmt zu instabil. Sprich: die Platte würde wohl brechen.
Ran ans Werk!!

Schalung

Wie schon erwähnt wird die Schalung, um eine schöne Oberfläche zu erhalten, aus beschichteten Spanplatten gebaut. Natürlich hätte man auch Holzbretter nehmen können, um anschließend auf der Tischplatte eine gewisse Holzoptik zu erhalten. Allerdings würde sich dann Regenwasser in den Rillen ansammeln und zu Algenbildung führen.
Weiße Spanplatte mit 19mm dicke gekauft und zugeschnitten:











Die Seitenteile der Schalung habe ich mit Zwingen fixiert, vorgebohrt und verschraubt.





Baustahl

Als Bewährung habe ich eine handelsübliche Baustahlmatte mit 6mm Stäben verwendet. Vor allem amerikanische Youtuber verwenden hier immer ein wesentlich dünneres Estrichgitter, was aber bei einer Betonplatte dieser Größe etwas unterdimensioniert wäre. Das habe ich mir übrigens nicht selbst aus den Fingern gesaugt, das hat ein kompetenter Mitarbeiter eine Baustoff-Prüfanstalt geraten. Danke an dieser Stelle!











Die Baustahlmatte habe ich aus zwei Einzelteilen zusammengeschweißt.


Vorbereiten fürs betonieren

Bevor man nun Beton in die Schalung rein kippt, sollten noch die Ecken/Kanten versiegelt werden. Das geschieht mit Silikon. Abgezogen kann das Silikon entweder mit dem eigenen Finger oder mit einer Silikonspachtel geschehen. Ich habe mit für letzteres mit 45° Winkel entschieden.











Spanplatten haben die Eigenschaft, dass sie unter Feuchtigkeit aufquellen. Dh. auf diesen Schritt sollte keinesfalls verzichtet werden. Bei meiner Spanplatte hatte die Beschichtung zwei kleine Löcher, unter denen dann die Späne aufgequollen sind, und in meiner Betonplatte zwei kleine Vertiefungen hinterlassen haben.

Unmittelbar bevor betoniert wird, sollte die Form noch ausgesaugt und mit Spülmittel gereinigt werden. Alles was sich danach noch in der Form befindet wird einbetoniert und leibt leider im Beton erhalten. Also: gründlich arbeiten!











Betonieren

Welcher Beton eignet sich für ein derartiges Projekt? Der billige Beton aus dem Baumarkt um 3-4€/40kg Sack ist hier ausreichend, zumindest was die Festigkeit betrifft. Nur war ich mir da zu Beginn nicht ganz sicher, warum ich mit einem Baustoffhersteller telefoniert habe (Baumit), und der nette Herr hat mir den Gießbeton empfohlen. Dieser kann im Gegensatz zum normalen Beton mit deutlich mehr Wasser gemischt werden und lässt sich daher flüssiger anmischen. Grundsätzlich, so habe ich gelernt, sollte kein Beton mit mehr Wasser, als in den Verarbeitungshinweisen angegeben, gemischt werden. Der Zement im Beton kann eine gewisse Menge Wasser aufnehmen und härtet damit aus, das überschüssige Wasser bildet Poren und verdunstet über die Zeit. Diese Poren schwächen den Beton und können im schlimmsten Fall im Winter zu Frostschäden führen. Wieder was gelernt fürs Leben...
Gießbeton kostet in etwa das Doppelte vom normalen billigen  Beton, also etwa 8€ pro Sack, was bei 6 Säcken auch kostentechnisch überschaubar ist. Besitzt man allerdings einen Betonrüttler kann getrost zum günstigen Beton gegriffen werden. Ich hab mir einen Rüttler gekauft und trotzdem den Gießbeton verwendet. Doppelte Sicherheit eben.

Zum Betonieren habe ich mir die Schalung mit meinen Langgutaufsatz auf meinen Autoanhänger gelegt. Damit habe ich erreicht, dass alles schön satt und gerade aufliegt und mit dem Stützrad kann alles in Waage eingerichtet werden. Verwendet man den Rüttler ist dieser Punkt sehr wichtig, da sonst der Beton zur tiefsten Stelle "fließt".
Der Baustahl sollte eben aufliegen und nicht verbogen sein.

Los gehts!



Wichtig ist, die Schalung nicht bis obenhin anzufüllen, sondern nur bis zur Hälfte, da noch der Baustahl eingelegt werden muss. Bevor das geschieht, ist es ratsam den Beton zu rütteln. Dazu fährt man entweder mit der Spitze des Rüttlers durch die dünne Betonschicht, oder klopft sich mit dem Gummihammer durch.
Ist der Beton auf volle Länge bis zur Hälfte gefüllt, kommt das Gitter in die Schalung und es kann bis oben hin betoniert werden.












Wie am rechten Bild ersichtlich ist, habe ich auch gleich den Beton mit einer Latte abgezogen. Da die diese Seite später die Unterseite ist, muss diese Seite nicht 100% glatt sein.
Um Luftblasen im Beton bzw. zwischen Schalung und Beton zu eliminieren, sollte wieder kräftig gerüttelt werden. Man nimmt dazu entweder einen Gummihammer, oder lässt den Flaschenrütter (=Betonrüttler) entlang der Schalung gleiten.











Um ein zu schnelles Austrocknen, und somit Rissbildung, zu verhindern, wird der Beton mit einer Plane abgedeckt. Zusätzlich kann die Platte noch nach einigen Stunden mit Wasser abgespritzt werden.











Der Vorteil der Anhängerlösung: Die Tischplatte aus Sichtbeton ist mobil!
Weil frischer Beton anscheinend auf Katzen eine Anziehungskraft ausübt, hat sich unsere Mieze auch gleich darin verewigt.

Ausschalen

Nach zwei Tagen der Aushärtung  kann mit dem ausschalen begonnen werden. Hier ist Vorsicht geboten. Nach dieser kurzen Zeit hat der Beton noch relativ wenig Festigkeit. Nie mit Werkzeug gegen den Beton arbeiten! Mit einem Cuttermesser die Silikonfuge durchtrennen hat bei mir am besten funktioniert.











Schön zu sehen: die zwei eingebrachten Schichten.

Unterseite bearbeiten (die liegt jetzt noch oben...)

Ich habe ca. 3 Wochen abgewartet bis ich die Tischplatte zu bearbeiten begann. Somit minimiert man das Risiko, dass die Ecken, etc. ausbrechen.
Schleifen ist nicht unbedingt notwendig, ich hab's aber trotzdem gemacht, um halbwegs angenehmen Oberfläche zu erzeugen, sollte mal wer unter dem Tisch greifen,












Damit Regenwasser kontrolliert abtropft und nicht komplett unter dem Tisch läuft, habe ich eine Tropfnase in die Tischplatte geschnitten. Dazu habe ich mit meinem Winkelschleifer und Diamantscheibe eine Rille in die 2-3mm Tiefe geschnitten. Das Wasser tropft später an dieser Stelle ab.
Nachdem der Staub abgesaugt wurde, kann die Unterseite versiegelt werden. Hier reicht es, eine Imprägnierung zu verwenden, da ja dieser Teil der Platte nicht beansprucht wird.













Oberseite bearbeiten

Ein spannender Augenblick: Die eigentliche Oberseite wird beim ersten Wenden der Platte ersichtlich. Ich hatte Glück, die Sichtseite sieht verdammt gut aus! Allerdings waren zum Drehen 4 Personen notwendig....zum Tragen werde ich wohl 6 Leute benötigen...
Trotzt intensiven Rüttelns waren einige kleine Lüfteinschlüsse im Beton. Deshalb habe ich die Tischplatte zuerst etwas abgeschliffen, den Staub abgesaugt und verspachtelt. Dazu verwendet man einfachen Aussenspachtel. Sind die Löcher kleiner als ca. 0,5mm kann auf diesen Schritt verzichtet werden. Diese werden später von der Versiegelung verschlossen. Thank you Pete for that information! DIY Pete stellt übrigens auf seiner Homepage einige Projekte aus Beton vor!









Spachtelmasse mit Wasser anrühren und mit einen Kunststoffspachtel in die Löcher einreiben. Mit den Händen funktioniert das besser, man sollte sich allerdings dickere Gummihandschuhe anziehen, wenn man auf seine oberste Hautschicht wert legt. Zuvor hilft es, die Platte mit Wasser zu befeuchten, damit diese nicht so stark saugt.
Nachdem die Spachtelmasse angezogen hat, habe ich diese ähnlich dem Verfugen beim Fliesen legen abgewaschen.





Versiegeln/Beschichten

Dieses Thema hat mich auch sehr lange beschäftigt, wenn ich die Zeit vorm Computer und telefonieren einrechne. Immerhin soll der Beton nicht jeden Kaffee- bzw. Rotweinfleck in sich aufsaugen und für immer und ewig an dessen Oberfläche sichtbar sein. Außerdem wünsche ich mir ein UV-beständiges, hartes und unverwüstliches Finish.
Kurz gesagt gibt es dafür zwei Varianten: Ein Epoxy oder eine PU (Polyurethan) Beschichtung. Da die PU Beschichtung UV-beständiger und härter ist, ist meine Wahl auf diese gefallen.

Aber bevor versiegelt wird, darf wieder mal geschliffen werden. Da es eine glatte Oberfläche werden soll, habe ich 240er Körnung dafür gewählt.
Nachdem der Schleifstaub abgesaugt wurde, kann die Farbrolle ausgepackt werden. Beim ersten Anstrich sollte laut Anwendungshinweis dem "Flüssigkunststoff" etwas Terpentinersatz beigemengt werden.
Direkt nach dem Streichen:
Die fertige Tischplatte sieht schlussendlich so aus:















Bitte fragt mich nicht wie ich den Marmor-Effekt erzeugt habe...keine Ahnung wie der entstanden ist, passt jedoch perfekt auf die Platte! Ich denke, dass es dazu beim Einbringen des Betons in die Schalung gekommen ist. Perfektes Ergebnis.

Jetzt muss die Tischplatte nur noch heile aufs passende Untergestell.






Kommentare:

  1. Hallo Stefan,

    das ist ja mal ne geniale Idee!! ich wollte mir für die neue Terrasse auch einen Tisch bauen, wäre echt eine Überlegung wert!
    Bin schon gespannt wie er fertig aussieht!!

    Viele Grüße
    Bastian

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    1. In betonieren solltest du jetzt ja geübt sein :-)

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  2. Hallo Stefan,

    Danke für die Dokumentation – das wird ein ungewöhnlicher und einzigartiger Tisch!

    Beste Grüße,
    Andreas (http://holzhandwerk.andreas-kalt.de)

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  3. Geniale Idee und das sieht noch dazu richtig gut aus. Bin nicht so der Geduldsmensch aber ich denke in klein werde ich das mal versuchen.

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  4. Hallo Stefan,
    da wir beide für das aktuelle NEWS interviewt wurden, dachte ich mir, ich schau mal bei dir am Blog vorbei.
    Wahnsinn, welche aufwändigen Projekte du umsetzt. Respekt!
    Die Tischplatte sieht wirklich schön aus, der ganze Aufwand hat sich auf jeden Fall ausgezahlt.
    Mit Beton hab ich noch nie gearbeitet, möchte ich aber auch unbedingt mal ausprobieren - aber für etwas kleinere Projekte ;-)

    Liebe Grüße, Daniela

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    1. Danke für das Kompliment!
      Ich denke auch, dass es nicht das letzte Projekt aus Beton sein wird. zumal meine Eltern jetzt auch so einen Tisch haben möchten :-)

      Davon abgesehen, stehe ich au diesen Look!

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  5. Super Arbeit geleistet! Daumen hoch!
    Hättest du eine Empfehlung für ein "Tisch-Block" H-100xB-60xT-30cm
    Es ist über 120Kg schwer, gibt es evtl. alternativen, damit ich das Gewicht reduzieren kann? Danke

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  6. Hallo Herr Reschenauer,

    eine wirkliche tolle Arbeit. Respekt! Meine Frage wäre, ob die Platte auch auf Betonfüßen stehen könnte. Wenn man quasi auch noch Füße gießen würde für die zwei seitlichen Enden in U-Form. Zwar ist natürlich Ihre Version schöner, aber auch sehr aufwendig. Glauben Sie, dass zwei Betonfüße an den beiden Seitenenden genug Stabilität bieten würden für die ganze Platte in der gleichen Größe wie bei Ihnen? Für eine Antwort wäre ich dankbar! Grüße

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  7. Ich finde Betonmöbel für den Garten genial. Schön, dass man dazu mal eine Anleitung findet, denn gerade Holztischplatten verwittern im Garten sehr schnell. Ich selber hätte vermutlich auch die Füße gegossen.

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