Sonntag, 3. Juli 2016

Terrassentisch selber bauen - Tischrahmen

Bei 2,8m langer, 1m breiter und ca. 240kg schwerer Tischplatte sollte auf eine stabile Unterkonstruktion besonderen Wert gelegt werden. Der Tisch soll maximale Beinfreiheit garantieren. Ich mag keine störend Streben und anderwärtige Konstruktionen, die einem im Weg sind, wenn man nach dem Essen "alle Viere" von sich streckt. An jeder Ecke ein Bein muss genügen.



Übrigens: Der Ort, an dem der Tisch später aufgestellt wird, sollte wohl überlegt sein, bei gut 350kg ist das Tischchen rücken nicht mehr so einfach.

Da ich auf der Terrasse nicht unbedingt eine Stahlkonstruktion stehen haben wollte, plante ich ursprünglich das Gestell aus Holz (Eiche) zu fertigen. Da ergaben sich allerdings einige Probleme daraus. Terrassentische sind in der Regel etwa 70cm hoch. Bei 2,8m Spannweite bräuchten die Längsstreben schon eine ordentliche Dicke. Vom Gefühl her würde ich bei den 240kg etwa 15cm schätzen. Selbst wenn ich den Tisch 75cm hoch mache, hätte man so schon Probleme seine Beine unter dem Tisch zu bekommen. Also habe ich mich für Stahl entschieden, welches mit Eichenholz verkleidet wird. Die endgültige Tischhöhe wird 74cm und die Längsstreben werden aus einen 100x40mm Formrohr realisiert.

Die Baustoffexperten von Baumit und der Prüfanstalt waren sich einig, dass auch einig Querstreben verbaut werden sollten, was ich natürlich auch gemacht habe.

Tischbeine und Querstreben (innenliegend) werden aus 40x40x3mm Formrohr erstellt und der Längs und Querstreben (außenliegend) haben die Dimension 100x40x3mm.

Später wird noch alles mit 3cm Eichenholz verkleidet, wodurch sich Tischbeine mit 10x10cm ergeben.

Zuschnitt

Wie immer erfolgt zu Beginn der Zuschnitt mit der Bandsäge. Die Unterkonstruktion wurde 5cm kleiner als die Eigentliche Tischplatte gewählt. Mit der Holzverkleidung steht dann die Platte nur mehr 2cm über. Also hat der Stahlrahmen die Abmessungen 2,7x0,9m

Schweißen

Jeweils zwei Beine mit einer Querstrebe habe ich auf meinem Schweißtisch gespannt und verschweißt.
Hat man das erste Paar fertig, und ist auch alles im rechten Winkel, kann das zweite Paar über das Erste gespannt und ebenfalls geschweißt werden. So erspart man sich das erneute einrichten.
Damit später die Tischplatte auch perfekt auf den Rahmen passt, habe ich diesen direkt auf der noch mit der Unterseite oben liegenden Tischplatte zusammen gepunktet.
Dieser Schritt sollte auf keinen Fall an der Oberseite der Tischplatte geschehen, da hier die Schweißperlen unschöne Brandspuren hinterlassen!




Den Spanngurt vom letzten Bild habe ich verwendet um die Diagonale des Gestells anzupassen.

Üblicherweise wird der Rahmen ohne Füße in Gehrung geschnitten und zusammen geschweißt. Erst danach würden die Füße befestigt werden. Ich habe mich bewusst gegen diese Vorgehensweise entschieden, und das hat folgenden Grund: Da ich das 100mm Formrohr an die Seitenflanke des Tischbeins geschweißt habe, ist die Chance deutlich geringer, dass wenn jemand mal gegen den Tisch läuft, die Tischbeine wegknicken, und somit die Betonplatte auf den Boden kracht. Schweiße ich hingegen das Tischbein nur an der Stirnseite an, hat das Bein deutlich wenige Schweißflächen und kann somit eher abreißen.

Lackieren

Ich hätte den Rahmen viel lieber verzinken wollen, aber mein Autoanhänger war ja durch die Tischplatte blockiert. Somit habe ich alles lackiert und zwar mit insgesamt 3 Schichten. das sollte halten. Mattes Schwarz...


Holzwahl

Welches Holz nimmt man dafür am besten? Am liebsten wär mir natürlich Eiche, weil Zugriff dazu habe. Allerdings beinhaltet Eichenholz relativ viel Gerbsäure, welche durch Regen, wenn das Holz ungeschützt ist, ausgewaschen werden kann und zu unschönen bräunlichen Flecken auf der Terrasse führen könnte. Genau diese Gerbsäure macht aber das Holz unempfindlich gegenüber Schädlingen und Pilzen und führt zu einer guten Witterungsbeständigkeit. Daher sollte man das Holz so behandeln oder beschichten, damit die Säure im Holz bleibt und nicht ausgewaschen wird. Da Eiche auch bei Holzfenstern zur Anwendung kommt, kann eine Fensterlasur für diese Zwecke verwendet werden. Ich habe mich für die natürliche Langzeitschutzlasur von Xyladecor in dem 'Farbton Eiche Hell entschieden. Die farblose Variante wäre mir lieber gewesen, diese schützt aber nicht vor dem UV Licht.

Bevor wir aber streichen können, muss die Verkleidung mal hergestellt werden.
Zuerst wird besäumt, dann in etwa auf Breite geschnitten und schlussendlich gehobelt.
















Wenn nach dem Dickenhobeln die Hobelmaschine so aussieht, wird es endlich mal Zeit aufzuräumen...aber es wird noch schlimmer kommen :-)

Tischbeine

Etwas das ich nur sehr ungern mache sind Gehrungen schneiden, aber bei diesem Tisch will ich es wieder mal probieren. Allerdings kann das hier nicht bei allen vier Ecken geschehen, da an der Außenseite des Tisches die Verkleidung über das 100mm Formrohr gehen muss. Es können daher nur 2 Ecken in Gehrung geschnitten werden, was die ganze Geschichte deutlich vereinfacht.
Um die 45°exakt einstellen zu können habe ich mir ein elektronisches Helferchen zugelegt: eine Bevel Box. Das Teil wird mit dem Magnetfuß am Sägeblatt befestigt, genullt und das Sägeblatt so lange verstellt bis der gewünschte Winkel angezeigt wird.


 Sind die Einzelstücke zugeschnitten können jeweils zwei davon verleimt werden










An den inneren Verblendungen muss noch mit der Oberfräse eine Rundung ausgefräst werden, damit die Schweißnaht am Stahlrahmen darin Platz findet.











Direkt auf den Tischbeinen habe ich dann die beiden Winkel der Beinverkleidung zusammengeleimt. Zuvor sollte allerdings die Innenseite auf richtige Breite zugeschnitten werden. Bei meinem 40mm Formrohr habe ich daher auf 41mm Innenmaß zugesägt um Lackschicht und andere Toleranzen ausgleichen zu können.
Die Außenseite wird später mit der Hobelmaschine bündig gehobelt.


Bündig hobeln










Nun kann eine Rundung (3mm) auf jede Ecke des Beins gefräst werden. Danach können alle Fehlstellen im Holz mit geeigneter Spachtelmasse verspachtelt werden.









Befestigt wird jede Verkleidung mittels zweier Schrauben. Dazu habe ich ein 4,2mm Loch durch Holz und Stahlrahmen gebohrt. Das Loch durchs Holz wurde danach auf 5mm aufgebohrt, damit eine M5 Schraube durch passt. In den Stahlrahmen wird mit einem Gewindebohrer ein M5 Gewinde geschnitten.















Auf eine Tropfnase sollte auch an der Unterseite der Beine nicht vergessen werden. Dies geschieht am besten mit einem Multifunktionswerkzeug samt Holztauchsägeblatt.
Am Bild ebenfalls ersichtlich: Die Holzverkleidung berührt später nicht den Boden und der Tisch steht auf vier Kunststoffstopfen. Das erhöht natürlich die Lebensdauer des Holzes.
Die Tischbeine müssen nur mehr geschliffen  (bis Körnung 240) und mit dem bereits oben erwähnten Langzeitschutz gestrichen werden.











Seitenverkleidung

Die Seitenverkleidungen waren auch eine Herausforderung. Immerhin messen die langen Stücke über 2,5m. Abrichten ist bei dieser Länge mit meiner Hobelmaschine nicht mehr möglich. Das ist aber auch nicht notwendig, da die Verkleidung ohnehin später mit Schrauben an den geraden Stahlrahmen geschraubt wird. Also fährt das Ganze durch den Dickenhobel bis eine Dicke von 25mm erreicht ist. Die Seitenteile haben übrigens eine Höhe von 100mm, so wie das Formrohr auch, an das es später geschraubt wird. Bei 50mm Dicke des Ausgangsmaterials fallen da auch genug Hobelspäne an.














Nach dem Hobeln wird alles auf Länge geschnitten und die Kanten mit dem 3mm Rundfräser abgerundet.


Jetzt lässt sich schon erahnen, wie es mal aussehen wird.
Natürlich muss auch hier wieder verspachtelt und geschliffen werden









Zum Schluss erfolgt der Anstrich.

Aufstellen

Ist die Seitenverkleidung angeschraubt, kann das Untergestell an seinen Bestimmungsort mithilfe von 3 Mann gestellt und ausgerichtet werden.









Der Tisch sollte mindestens 1m von der Mauer/Wand entfernt stehen, um ein angenehmes Sitzen und vorbeigehen zu ermöglichen.
Jetzt fehlt noch die Tischplatte. Da diese noch immer am Hänger liegt, konnte ich damit zumindest bis zur Terrasse fahren.









Zum Tragen der 240kg schweren Betonplatte waren 6 kräftige  Männer von Nöten, welche danach auch sehr durstig waren...

Aber  das Ergebnis kann sich sehen lassen:
Terrassentisch mit Tischplatte aus Beton
Fazit

Es war sehr viel Arbeit, was ich zu Beginn sicher unterschätzt habe. Insgesamt habe ich etwa 3 Monate an dem Tisch gearbeitet, konnte aber sehr viel dabei lernen. Vor allem hat mich die extrem große (2,8m x 1m) und extrem dünne (4cm) Tischplatte immer wieder vor Rätsel gestellt. So etwas ist jedenfalls nichts Alltägliches. Auch nicht im "world wide web".

Gesamtgewicht: ca. 350kg

Kosten:
 50€ für Beton
 80€ für Stahl
 70€ für Diverses
   0€ für Holz (vorhanden)
------
200€

Angesichts der Tatsache, dass ein Tisch dieser Bauart und Dimensionen bestimmt das zehnfache oder mehr im Geschäft kostet, hat sich das selber Bauen auf  jeden Fall gelohnt. Außerdem hat unsere Terrasse jetzt ein neues Schmuckstück, mein "Meisterstück"!


Weiterführende Links:


Kommentare:

  1. Eine echt tolle Arbeit !!! Hut ab vor dieser Leistung!!!

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  2. Das scheint alles unglaublich aufwendig zu sein, aber das Ergebnis sieht toll aus! Hättest du vielleicht Lust die Anleitung in unserer Community auf www.mach-mal.de vorzustellen und damit unseren Usern zu präsentieren? Das würde uns freuen! Liebe Grüße, Kathreen von "Mach mal"

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  3. Respekt! Das war ja eine menge Arbeit, aber das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen! Sehr schöner Tisch!

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  4. I really like this post. Highly recommend to everyone. Thank you.
    +metall +kupplung

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  5. Hammer Ergebnis, aber die Arbeit...WAHNSINN!! :-D Das Gewicht ist heftig, wehe dem der NICHT im Erdgeschoss wohnt... :-D Aber sehr nett

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  6. Hallo Stefan, bin bei der Suche nach Tipps zum Bau eines Tisches auf deinen Blog gestoßen. Der Terassentisch ist echt toll. Wir möchten gerne einen neuen Wohnzimmertisch selbst bauen und ich dachte ich frage dich mal nach Tipps:
    Er soll 2,50m lang und 1,10m breit werden. Die Tischplatte soll aus Gerüstbohlen bestehen und er soll Metallkufen bekommen. Nun ist meine Frage: Braucht man für das Gewichte der Bohlen eine Unterkonstruktion, oder sind die Kufen rechts und links stabil genug? Wie hoch müssten die Kufen dann sein (mit oder ohne Unterkonstruktion)? Wir sind eher unerfahren und haben nicht so super Werkzeug daher müsste es eine einfache (günstige) Lösung geben.
    Bin mal gespannt, ob dir dazu was einfällt.
    Danke und lieber Gruß
    Danni

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  7. Hab im Internet eigentlich etwas anderes gesucht.....bin aber dann zufällig bei deinem Tisch gelandet......und hängen geblieben.

    Mann o Mann, Hut ab vor dieser Leistung !!!!!!!
    Dazu kann man nur neidlos gratulieren.
    Allererste Sahne ! Gratuliere !!!!

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  8. Wir haben unseren Terrassentisch auch selbst gebaut, aber gebaut trifft es auch nicht ganz. Wir haben beim Bauhaus eine Tischplatte und 4 Beine gekauft und das ganze zu Hause zusammen geschraubt. Da die Tischplatte unbehandelt gewesen ist, habe ich die dann noch geölt und fertig

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