Donnerstag, 29. August 2019

Telegärtner Dorline Slim DECT Einbau und Testbericht

Wir hatten vor, uns in näherer Zukunft eine smarte Türklingel anzuschaffen. Mit dieser soll dann von unterwegs zB. den Paketdienst die Tür von unserer Garage geöffnet werden. Unabhängig davon wünschten wir uns noch einen fernsteuerbaren Türöffner für unsere Haustür, um die Oma während unseres Urlaubs zum Katze füttern rein zu lassen. Wie ich diese beiden Anforderungen mit der Telegärtner Doorline Slim DECT Türsprechanlage gelöst habe will ich in diesen Beitrag erklären.
Um genau zu sein, ist die Telegärtner Anlage eigentlich gar nicht "Smart" - sie ist im Grunde genommen nur ein Schnurlostelefon. Und trotzdem lassen sich alle, und noch einige mehr, Funktionen in ihr vereinen, was sie doch wieder "smart" macht, aber anders Smart eben.

DECT

Wie der Name schon sagt, verbindet sich die Türsprechanlage via DECT-Standard (via Funk, ohne Kabel) mit der heimischen Basisstation. In meinen Fall ist das die Fritzbox 7590, welche u.a. auf die Telegärtner Anlage abgestimmt ist. In Deutschland sollen auch noch die Speedport-Router dafür vorbereitet sein. Da die Anlage über Funk funktioniert, verringert sich dadurch der Installationsaufwand.

Unsere Voraussetzungen

Unser Haus hat strassenseitig den Eingang über eine Schlupftür von einen 4x4m großen Sektionaltor. Diese Tür muss von der Gegensprechanlage zum Öffnen sein, um zB. den Paketdienst einen wetterfesten Abstellort zu gewähren. (Ja wir haben auch eine Paketbox, aber alles passt da auch nicht rein 😉 )

Gartenseitig befindet sich dann unsere Eingangstür zum Haus mit Fingerprint. An dieser sollte eigentlich ein smarter Türöffner (ala Nuki Smart Lock) verbaut werden. Das Geld konnten wir uns aber sparen, da die Telegärtner Anlage auch diese Tür aufsperren kann.

Das Gerät

Die Sprechstelle benötigt zum Betrieb lediglich das mitgelieferte 12V Netzteil, dessen Kabel an der rückseitigen Klemme verschraubt wird. Für diejenigen die im Haus keine Klingel/Gong oder Türöffner benötigen, wars das auch schon. Wird so eine Taste gedrückt, läuten einfach ein oder mehrere Telefone als Alarmierung. Hebt man ab, kann man ganz normal mit der Außenstelle sprechen.











Etwas mehr Aufwand hat man, wenn man einen Gong und/oder el. Türöffner anschließt. Für diese Option stellt die Anlage zwei potentialfreie Relaiskontakte zur Verfügung. Je nach verbauter Signalisierungseinrichtung und Türöffner benötigt man dann auch noch eine passende Stromversorgung für diese Geräte. Klingel und Türöffner laufen bei mir mit 12V so dass ich auch ein Netzteil für beide Funktionen verwenden konnte.

Nun will ich aber zwei Türen und eine Klingel ansteuern, das Gerät hat aber nur 2 Schaltkontakte.... Für diese Option lässt sich eine optionale Switch-Box SB-442 mit der Gegensprechanlage verbinden, welche 3 zusätzliche, ebenfalls potentialfreie, Kontakte aufweist.

In meinem Fall wurden lediglich Komponenten verwendet, welche mit Kleinspannung (< 60Vdc) funktionieren und somit dürfen die Installationsarbeiten auch von Laien durchgeführt werden.

Abbau der alten Anlage

Unsere alte Baumarkt-Klingel funktionierte zwar noch, hatte aber den Nachteil der schlechten Kamera und die fehlende Fernsteuerbarkeit.














Beim Demontieren stellte sich dann noch heraus, dass damals meine Fassaden-Arbeiter ein wenig gespart hatten, und die Klingel fürs Spachteln nicht demontierten....
Also musste ich selbst ran und ein wenig spachteln.














Das bestehende Kabel führt direkt zur Inneneinheit und wird auch zukünftig verwendet werden.

Installation der Telegärtner Doorline Slim DECT

Bevor die Gegensprechanlage fest verbaut wird, sollte sie mit der Fritzbox gekoppelt werden.  Das hat eigentlich problemlos funktioniert, man braucht nur etwas Geduld. Wie genau das funktioniert hat AVM schon zusammengeschrieben: Türsprechanlage einrichten.
Ebenfalls sollte vorab die Dect-Signalqualität am jeweiligen Standort überprüft werden. Dazu reicht es die Doorline an ihren Bestimmungsort zu halten und den Stecker ein zu stecken. Danach zeigt die Sprechstelle über Blinkzeichen die Signalstärke an. Bei mir ist diese "Mittel" und die Sprachqualität ist Top! Sollte die Signalstärke schlecht sein kann ein DECT-Repeater zwischen Basis und Sprechstelle gesteckt werden.

Wenn das geschehen ist, kann mit der eigentlichen Montage begonnen werden. Dazu wird die Montageplatte aus rostfreiem Stahl mit Dübel und Schrauben montiert. Sogar Dübel werden mitgeliefert, die habe ich aber nicht verwendet, da ich bei Hohlblocksteinen andere Dübel brauchte.













Nun musste ich noch den Klemmenbereich ausstemmen, da die Klemmen ein wenig in die Wand reichen. Bei mir hats aber gereicht, lediglich den Putz hinter der Aussparung der Montageplatte ab zu klopfen.














Der Kunststoffrahmen muss eingesetzt werden, damit etwaiges eindringendes Regenwasser um den Klemmenbereich herumgeleitet wird.

Netzteil anschließen und schon kann die Türsprechanlage in ihrer Minimalkonfiguration (ohne Türöffner und Gong/Klingel) in Betrieb gehen. Wenn das Spachteln nicht gewesen wäre, hätte ich nur eine halbe Stunde dafür benötigt.














Ein wenig Farbe muss noch drauf...

Jetzt fehlt nur mehr die Switch-Box, damit alle Türen und der Gong angesteuert werden können. Theoretisch hätte ich die Schlupftür beim Tor auch gleich direkt über die Sprechanlage schalten können. Das wäre zwar zum verdrahten einfacher gewesen, ich hätte aber ein zusätzliches 12V Netzteil für den Magnetöffner benötigt.

Die Switch-Box wird über 3 Leitungen mit der Doorline verbunden. Hier verwendete ich die ohnehin schon verlegten Leitungen, welche an die zweite Klemme angeschlossen werden.














Jetzt auch schon mit Farbe 😉

Im Keller habe ich dann die Switchbox montiert und verdrahtet.
Verdrahtungsbeispiele hierzu findet man in der Anleitung, sollte man kein Mann vom Fach sein.

Unsere Eingangstür hat einen Fingerprint Sensor samt Antrieb verbaut, welcher einige Riegel rund um die Tür in den Rahmen fahren lässt. Hier wäre ein einfacher el. Türöffner einfach zu unsicher, was aber das Fernsteuern ein wenig erschwert...dachte ich.
Das Steuergerät im Türrahmen.

Beim Studieren der Anleitung offenbarte sich mir die Tatsache, dass sich die Tür auch via Schaltkontakt öffnen und schließen ließ. Also brauchte ich nur ein Kabel vom Türrahmen zur Switchbox zu legen. Ein Kabel in eine bestehende Elektroverohrung zu legen war nicht ganz so einfach als vermutet und treibt einem sehr schnell zum Fluchen. Ich erspare euch Details - aber ich habs geschafft.
Äußerst nützlich waren hier die "potenialfreien Kontakte", da das Türschloss mit einem anderen System funktionierte als die Klingel oder Schlupftür. Die Eingangstür stellt nämlich eine eigene Versorgung zur Verfügung, was wiederum bedeutet das diese Signale mit den 12V Netzteil des Gongs oder des anderen Türöffners nicht in Berührung kommen darf.

Jetzt fehlt nur noch der Gong. In diesen habe ich einen Taster eingebaut, damit man auch direkt und ohne Telefon die Schlupftür öffnen kann. Dieser Taster wird einfach parallel zum Relaiskontakt der Switchbox geschalten.
So ein Glück hat man selten: die Löcher der alten Inneneinheit passten genau mit der des Gongs überein.















Programmierung

Mit einem angeschlossenen Telefon erfolgt die Programmierung der Anlage, was ein bisschen an alte Zeiten erinnert. Eine Web-Oberfläche, in der die Einstellungen getätigt werden, gibt es jedenfalls nicht.
Viel war aber nicht zu ändern. Den einzelnen angeschlossenen Kontakten muss man eine Funktion zuweisen und Rufnummern für die Apthekerschaltung müssen eingegeben werden, falls zu Hause niemand abhebt. Dann habe ich noch die Rufdauer zur Nebenstelle auf 20 Sekunden geändert. Das ist jene Zeit, die intern gerufen wird, bis eine externe Rufnummer (Mobiltelefon) angerufen wird. Ich habe festgestellt, dass Paketdienste keine 30s (Werkseinstellung) vor der Sprechanlage warten, um ein Paket ab zu liefern, wenn keiner zu Hause ist.
Alles in allem ist das aber kinderleicht und dauert lediglich 5-6 Minuten. Die Voreinstellungen passen im Großen und Ganzen.
Einstellungen in der Fritzbox:
Hier kann, wenn man ein FritzFon C4 oder C5 besitzt, auch noch die Tastenkombination für das Öffnen der Türe und ein Bild einer Kamera eintragen.  Somit kann man mit nur einem Tastendruck am FritzFon die Tür öffnen und bekommt auch ein Bild angezeigt:
Der Bildausschnitt am Telefon kann übrigens auch verschoben und gezoomt werden und wird alle paar Sekunden aktualisiert. Einfach spitze!


Funktion

Im Gegensatz zu den WLAN-Türsprechanlagen glänzt die Doorline Slim DECT durch perfekte Sprachqualität, und das obwohl diese keinen offensichtlichen Lautsprecher und Mikrofon verbaut hat. Die akustische Wiedergabe funktioniert hier über die an der Front verbaute Glasplatte. Ebenso kommt es auch zu keinen Aussetzern während des Gespräches, wie das bei den internetbasierenden Systemen häufig der Fall ist. Das ist halt der Vorteil, wenn ein Gespräch über einen Telefonie-Standard übertragen wird.

Hat man auf seinem Handy die Fritz!App Fon installiert, wird bei einem internen Rundruf auch das Mobiltelefon angerufen. Ich muss daher nicht im Haus sein, wenn jemand klingelt, ich brauche lediglich mein Handy mit, WLAN-Empfang vorausgesetzt. Schön wäre auch bei dieser App das Kamerabild zu erhalten.

Obwohl wir nur in einen Haushalt wohnen, nützen wir beide Klingeltasten. Wenn intern keiner erreichbar ist, wird automatisch eine externe Nummer angerufen. Hier sollte an der oberen Klingeltaste eine Nummer hinterlegt sein, an welcher man eher erreichbar ist. Tendenziell wird nämlich stets die obere Taste gedrückt. Wir haben hier einmal die Nummer meiner Frau und meine Nummer hinterlegt.

Mit der Tastenkombination #8 oder #9 lassen sich während eines Gespräches die Türen öffnen, und dass auch wenn man gerade unterwegs ist. Darum habe ich auch auf ein fernsteuerbares Schloss verzichten können. Aber mehr als zwei Türen lassen sich leider nicht steuern, sonst hätte ich mein Tor auch noch rauf und runter fahren lassen können.
Die Türen lassen sich im Übrigen nur öffnen, wenn der Anruf von der Gegensprechanlage gestartet wird (Werkseinstellung). Will man auch ohne, dass jemand die Klingel betätigt die Tür öffnen, lässt sich diese Option auch im Menü deaktivieren.

Wünschenswert wäre noch eine Timer-Funktion, welche die Doorline ab einer gewissen Uhrzeit abschaltet, damit man eine ungestörte Nachtruhe genießen kann. Aber auch dafür habe ich eine Lösung gefunden: zwischen Steckdose und Netzteil einfach einen FritzDect 200 oder 210 stecken und die Türsprechanlage  zu gewünschten Zeit an und abschalten lassen:


Fazit

Die Telegärtner Doorline Slim DECT steht den Web-basierenden Türklingeln in nichts nach - eher das Gegenteil ist der Fall, sie übertrumpft diese sogar noch. Vor allem bei der Sprachqualität spielt sie ihre Stärke aus. Aber auch die erweiterbare Anzahl der Schaltkontakte seien hier lobenswert erwähnt und dass diese potentialgetrennt ausgeführt sind. Wünschenswert wäre es aber alle verfügbaren Kontakte (Basis und Switchbox) separat schalten zu können.
Ebenfalls harmoniert die Anlage perfekt mit einer Fritzbox und mutiert beim Vorhandensein einer Kamera zur Video-Türklingel.
Des Weiteren ist die Klingel völlig unabhängig von irgendwelchen Cloud-Diensten, welche bei internetbasierenden Klingeln die Übertragung aufs Mobiltelefon gewährleisten. Man benötigt lediglich einen Telefonanschluss, welcher vom Netzbetreiber meist ohne Zusatzkosten mitgebucht werden kann.
Die Programmierung ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber in der Praxis sehr einfach und zuverlässig.
Nun konnte ich die Anlage auch während unseres Urlaubs testen und habe in dieser Zeit 3 Pakete entgegengenommen sowie auch die Oma in unser Haus gelassen um die Katze zu streicheln. Besser geht's nicht 👍

1 Kommentar:

  1. Tolle Installation sieht richtig gefährlich aus. Da muss man ja fast schon Experte sein - Super Bericht!

    Viele Grüße.
    Der Sven aus dem Süden

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