Donnerstag, 4. April 2019

Günstige Maßnahmen gegen feuchte Keller

Wie viele andere auch, kämpften auch wir mit einem Feuchteproblem im Keller von unserem renovierten Haus aus den 60er Jahren. Es waren auch nicht immer die teuersten und arbeitsintensivsten Lösungen, die zum Erfolg führten. Die kleinen Dinge waren es, welche schlussendlich den Keller trockenlegten.
(Symbolfoto)

Unser Keller

Unser Haus steht in einem Gebiet mit hohem Grundwasserspiegel. Wenn ich vom Pegel von unserem Brunnen ausgehe, steht unser Haus mit einem Teil des Streifenfundaments schon im Wasser. Bestätigt wurde das auch beim Baggern fürs trockenlegen. Die Erde an der Wand war klitsch-nass.
Darum lag die Vermutung nahe, dass die Feuchte im Keller durch die Außenwand und den Boden kam. Wie in dem verlinkten Beitrag beschrieben, brachten die bauliche Maßnahmen auch einer Verbesserung war aber noch immer nicht des Rätsels Lösung.


Kalte Wände

Schimmel an den Wänden entsteht, wenn warme und feuchte Luft an eine kalte Wand trifft. Die Luft kondensiert, wenn sie an der kalten Wand abkühlt und gibt Wasser ab. Kalte Luft kann eben weniger Wasser speichern als warme Luft. Wasser an der Wand wäre nicht weiter schlimm, wenn dadurch nicht Schimmel entstehen würde.
Aufgrund dieser Tatsache muss nicht immer das Wasser von außen am Schimmelbefall schuld sein, aber es kann das Problem verstärken.

Dichte Fenster und Türen verstärken das Problem

Einer Dämmung (EPS oder was auch immer) wird oft die Schuld für Schimmel in die Schuhe geschoben, weil so angeblich die Wand nicht atmen kann. Meist liegt das Problem aber ganz wo anders. In der Regel werden auch die Fenster bei einer neuen Außenfassade getauscht. Die neuen Fenster verschließen luftdicht und verhindern einen Luftaustausch mit der Außenluft.
Unsere alten Kellerfenster waren früher einfache Glasscheiben mit Betonumrandung, welche lediglich in den Fensterrahmen gestellt wurden. Die waren alles andere als dicht. Noch dazu wurde meine Frau von ihrer Oma, welcher das Haus ursprünglich gehörte, stehts belehrt, die Kellerfenster auch im Winter offen zu lassen, damit es zu keinem Schimmel kommt. Das hat auch wunderbar funktioniert, bis auf jene Tatsache, dass es im Keller saukalt war. Ebenso war der Fußboden im Erdgeschoss, also die Kellerdecke, sehr kalt.
Ja, die Kellerwände waren auch kalt, aber die trockene Luft von draußen kondensierte nicht und somit gab es auch keine Probleme.
Jetzt haben wir neue Fenster eingebaut, welche dicht waren und diese noch dazu auch im Winter verschlossen, um Energie bzw. Heizöl zu sparen. Der Keller wurde nicht beheizt und es kam was kommen musste: Schimmelbefall auf höchstem Niveau. Komischerweise schimmelte aber nur der Bereich des Kellers, welcher außerhalb vom Erdreich war.
Warum???
Ganz einfach: beim trockenlegen klebten wir auch eine Lage XPS-Platten (5cm) an jenen Teil der Kellerwand, welche unter der Erde war. Dadurch war in diesem Bereich die Innenwand auch wärmer und an einer warmen Wand gibt es keine Kondensation.

Dämmung ist daher dein Freund und nicht dein Feind!

Die Dämmung isoliert die Kälte von der Wand, was dazu führt, dass einerseits weniger Wärme von innen verloren geht, andererseits auch die Wand wärmer bleibt und (je nach Isolationsdicke) auch annähernd Innentemperatur hat.
Die Nordseite unseres Hauses hat eine Vollisolierung, unterirdisch mit 5cm XPS und oberirdisch mit 16cm EPS Platten. Diese Seite zeigte überhaupt keine Schimmelbildung wohin gegen die Südseite, welche nur unterirdisch mit 5cm XPS gedämmt war, in den Ecken und Kanten oberhalb der Dämmung schimmelte.
Warum sind gerade die Ecken und Kanten vom Pilzbefall betroffen?
Einerseits hat eine Ecke bezogen auf ihre Innenfläche eine viel größere Außenfläche, wodurch diese Bereiche tendenziell kühler sind. Andererseits gibt es in diesen Bereichen auch weniger Luftzirkulation.

Heizen löst viele Probleme.

Seitdem ich einen Holzvergaserofen im Keller für die Zentralheizung betreibe, habe ich mit Feuchtigkeit überhaupt keine Probleme mehr.
Die Luft wird aufgeheizt, wodurch ihre relative Feuchtigkeit sinkt, und es somit nicht so schnell zur Kondensation kommt. Noch dazu zieht der Ofen täglich 5-10 Stunden lang frische, kalte und trockene Luft von außen in den Keller wodurch die Luftfeuchtigkeit weiter sinkt.
Es wäre jetzt übertrieben den Keller, so wie in meinem Fall, auf 20°C zu heizen, aber wenn man die Innentemperatur auf 15°C hält, wird man keine Probleme haben. Die zusätzlichen Heizkosten sollten sich so auch in Grenzen halten. Außerdem steigt das Wohlbefinden im Erdgeschoß, da ja jetzt der Fußboden wärmer ist.
Im Testbetrieb mit dem Ölofen (dieser zieht die frische Luft vom Kamin und nicht von einem Fenster) und 15°C über die Heizkörper im Keller kam es ebenfalls zu keiner Schimmelbildung.
Einbau zusätzlicher/größerer Heizkörper
Der nachträgliche Einbau von Heizkörpern via Aluverbund-Rohre ist für den Heimwerker nicht schwierig. Da im Altbau die Heizungsrohre in der Regel maßlos überdimensioniert wurden, ist auch der hydraulische Abgleich automatisch gegeben, da der Widerstand durch die Rohre deutlich geringer ist, als der des Heizkörperventils.

Automatisches Lüften

Lüften ist natürlich auch ein wichtiger Teil für einen trockenen Keller. Experten raten mindestens 3x täglich für 10min die Fenster zu öffnen. Aber wer hat schon die Zeit dazu?
Ich hatte deshalb, bevor wir eine Holzheizung hatten einen WC-Lüfter im Fenster eingebaut. Der Lüfter hatte einen automatischen Verschluss, welcher sich nur bei eingeschaltetem Lüfter öffnet. Dadurch wird verhindert, dass permanent kalte Luft in den Keller strömt, und man zu viel Energie fürs Heizen aufwenden muss. Via einer Zeitschaltuhr kann man den Lüfter so 3x täglich laufen lassen. Wie man den Lüfter ins Fenster einbaut habe ich schon hier erklärt (allerdings mit einer Katzenklappe).

Konvektion ist das Um und Auf!

Alle Türen sollten offen sein, so dass ein Luftaustausch auch zwischen den Räumen gewährleistet ist. Schließe ich von einem Kellerraum die Türe bildet sich innerhalb eines Tages modriger Geruch und die Luftfeuchtigkeit steigt in diesem Raum rapide an. Ich denke dass hier die Feuchtigkeit vom Erdreich unter dem Keller über die Wände (auch tragende Innenwände) in die Luft gelangt, welche dann wiederum zur Schimmelbildung führen kann. Tragende Innenwände bei Streifenfundamenten stehen ebenfalls im Erdreich und können Feuchtigkeit abgeben. Bei meiner Innenwand blättert im unterm Bereich die Farbe ab, was ein Indiz für Feuchtigkeit ist.
Der Zirkulation kann man auch ein wenig unter die Arme greifen, in dem man diese mit Ventilatoren verstärkt. Ich betreibe einen Lüfter um den hintersten Raum im Keller, welcher nur über einen anderen Raum erreicht werden kann, mit Frischluft zu versorgen. Trotz aller Verbesserungen hatte dieser noch immer einen leichten Geruch, welcher nun auch komplett verschwunden ist.
Dadurch, dass hier die Luft durch zwei Räume zirkulieren muss, war dieser Raum immer der am schlechtesten versorgte. Darum wird dieser jetzt das komplette Jahr über mit 100m³/h zwangsbelüftet.
Zusätzlich gelangt auch mehr Luft durch die Verwirbelungen des Lüfters in die Ecken des Raumes so dass diese auch mit Zirkulation versorgt werden.

Da der Lüfter mit nur 2,5W betreiben wird, halten sich auch die Stromkosten von 3,50€ pro Jahr sehr in Grenzen. Und diese Summe ist mir ein trockener Keller auch wert.


Zusätzliche Maßnahmen

Wir hatten ursprünglich nur einen Betonboden im Keller, an welchen sich immer wieder feuchte Flecken zeigten. Da ich auf Dauer nicht mit einem Betonboden leben wollte hatten wir Fliesen gelegt. Zum einen sind die Fliesen (Feinsteinzeug) schon eine Feuchtigkeitsbarriere und zum anderen bildet die Grundierung eine wasserundurchlässige Schicht. In erster Lesung hatten wir etwa 2/3 des Kellers verfliest und dadurch ebenfalls eine Reduktion der Luftfeuchtigkeit erreicht.
Das Bild zeigt den feuchten Betonboden ohne Fliesen im Heizraum. Die Ausgleichsmasse, welche vor dem Verlegen aufgebracht wurde, brauchte fast 3 Tage zum Trocknen, so feucht war der Boden.












Fazit

Im Nachhinein gesehen hätte es wahrscheinlich gereicht, den Keller etwas zu heizen, mit einigen Ventilatoren für ausreichend Konfektion zu sorgen und automatisch zu lüften. Die Kosten hierfür halten sich so bestimmt in Grenzen und dürften wohl 100-200€ pro Jahr nicht übersteigen. Selbst die Investitionskosten halten sich dabei in Grenzen. Ich rate daher jedem, bevor die Bagger und Baufirmen anrücken seinen Keller mit derartigen alternativen Methoden vor dem Schimmelbefall zu bewahren. Einen Versuch ist es allemal wert und verschlimmern wird man dadurch die Situation bestimmt nicht.

Generell rate ich aber von dubiosen Hokuspokus Firmen ab, welche mit fast magischen Mitteln wie freien Energien und weiß der Kukuk noch was den Keller trockenlegen wollen. Die sind nur aufs schnelle Geld aus...

Kommentare:

  1. Interessanter Bericht, vielen Dank. Hat es einen Grund, dass Du Dich nicht einfach für einen Luftentfeuchter entschieden hast? Hat mich vor Jahren ungefähr 100 Euro gekostet und wir können sogar seitdem Wäsche im Keller aufhängen, weil sie sehr schnell bei ca. 55% relative Luftfeuchte trocknet.

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  2. Ja hatten wir damals, allerdings ohne dass wir den Keller heizten. Das war auch wahrscheinlich der Grund warum wir trotz Entfeuchter nie unter 75% Luftfeuchte kamen. Daher stimme ich dir zu: Luftenfeuchter im beheizten Keller - eine gute Idee! :-)

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  3. Moin Stefan,
    find ich auch, sehr interessanter Bericht!
    Ja, sehr interessanter Bericht, muß ich auch sagen!
    Wir haben auch so einen Luftentfeuchter im Waschkeller auf die Dauer hat sich das im ganzen unbeheitzten Keller bemerkbar gemacht und die Wäsche trocknet in 24 Stunden ohne daß das Gerät permanent laufen würde. Kann ich nur empfehlen!
    Ja, und bloß Finger weg von den Hokuspokus Firmen!

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  4. Gerne würde ich es auch so machen, leider habe ich keinen Zugang zu meiner Kellerwand. Da diese direkt neben der Straße ist und ich den gesamten Gehweg aufreißen müsste. Da ist der Aufwand nochmal so groß, deshalb muss ich weiterhin meinen Bautrockner verwenden. Mit dem ich meine Kellerwand bis jetzt auch immer schön trocken bekam. Ja ich hatte auch schon ein paar Firmen da, aber so richtig konnte mich keiner überzeugen.
    LG
    Markus

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