Mittwoch, 3. Oktober 2018

VW Polo 6R Klimaanlage reparieren

Die Klimaanlage des VW Polos meiner Eltern machte natürlich mitten im Sommer schlapp, nämlich genau dann, als sie mit ihren Enkelkindern in den Urlaub fuhren. Sie legten während der Fahrt eine Pause ein, als plötzlich beim nächsten Start des Motors die Klimaanlage nicht mehr kühlen wollte.
Die nächstgelegene Werkstätte diagnostizierte um 80€ Fehlersuche einen Schaden von 800 bis 1600€. Um eine 80€ Fehlersuche hätte ich mir schon eine definitive Aussage erwartet, und nicht "...könnte sein...", zumal ich den Fehler in 2 Minuten lokalisiert und in 30 Minuten konkretisiert hatte. Schlussendlich hat die Reparatur Sage und Schreibe 22€ gekostet.
Das Angebot der Werkstätte belief sich auf den Tausch des Kompressors (800€), was auch einen Eingriff in den Kühlkreislauf bedeuten würde. Sollten Metallspäne in den Kreislauf durch einen defekten Kompressor gelangt sein, wären 1600€ fällig. Keines der beiden Maßnahmen war notwendig.

Am Bild oben ist der Klimakompressor der Marke "Denso" verbaut. Dieser Kompressor hat keine Magnetkupplung verbaut, warum sich auch das komplette Riemenrad und Kompressorachse stets mit dem Keilriemen mit drehen sollte. Der Zapfen in der Mitte drehte sich in unserem Fall aber nicht mit. Eingeschalten wird die Klimaanlage via Ventil, welches ebenfalls im Kompressor verbaut ist.
Ob sich der Kompressor auch dreht, kann ganz einfach durch öffnen der Motorhaube festgestellt werden. Eventuell muss man auch den Zapfen in der Mitte mit einem Punkt markieren um eine Drehung feststellen zu können. Die Ursache kann daher in etwa 2 Minuten festgestellt werden.
 Für eine autorisierte VW-Werkstätte wäre jetzt auch schon die Fehlersuche abgeschlossen, da diese nur den kompletten Kompressor tauschen darf - was auch Ok ist. In unserem Fall genehmigte sich aber die Werkstätte trotzdem die volle Stunde Fehlersuche in Rechnung zu stellen, worauf  wieder eine allergische Reaktion mir den Rücken hoch kam. Automatisch griff ich daher zum Telefon und bat den Mechaniker um seine Rechtfertigung der 80€. Eine Ausrede folgte der anderen (plötzlich war auch eine Magnetkupplung verbaut...) bis er merkte, dass sich sein Gegenüber doch ein wenig in die Thematik eingelesen hatte, und schlussendlich klein beigab. Somit kamen 60€ wieder retour, was auch vollkommen OK ist, da ja keine Reparatur in der Werkstätte durchgeführt wurde. Leben und leben lassen...
Was mich jedoch bedenklich stimmt: Ich wurde nun schon einige male offensichtlich von Werkstätten angelogen (wie auch hier: Drosselklappe reinigen), was dem Vertrauen nicht unbedingt förderlich ist.

Feststellen der Ursache und Funktion

Man muss jetzt kein großartiger Mechaniker sein, um an den Kompressor ran zu kommen. Es muss lediglich die das rechte Vorderrad und die Verkleidung dahinter abgeschraubt werden,  etwa 10-15 Schauben.

Wenn alles abgebaut ist, kann auch die Type des Kompressors bestimmt werden. Im Normalfall klebt ein Typenschild am Kompressor.

Die Riemenscheibe sitzt drehbar auf der Achse des Klimakompressors gelagert. Die "Mitnehmerscheibe" sorgt dann für die Übertragung der Drehbewegung von der Riemenscheibe zur Achse.
Die Kompressor-ID war bei uns 6SEU14C wo folgende Ersatzteile passend sind: Mitnehmerscheibe und die komplette Riemenscheibe . Wir haben letztere gekauft, was aber nicht zwingend notwendig war. Die Beschreibung "Magnetkupplung" ist Irreführend, da es in Wirklichkeit keine ist. Die neue Riemenscheibe:

Nachdem die Abdeckung abgenommen wurde, hat an Zugang zur Mitnehmerscheibe.
Kann nun die Mitnehmerscheibe  abgezogen werden, hat man die Ursache gefunden. Diese sollte eigentlich auf die Achse aufgeschraubt sein und lässt sich nicht ohne Weiteres abnehmen. Es ist daher kein Eingriff in den Kühlkreislauf notwendig.
Am Bild sieht man noch 2 der 6 Gummiblöcke die den Kompressor schonen sollen. Ebenfalls ist noch ein Teil der Mitnehmerscheibe auf der Achse zu sehen. Hier sind die Stege einfach abgerissen.
Zum Vergleich hier die beschädigte und neue Mitnehmerscheibe:
Wenn sich die Achse des Kompressors mit der Hand drehen lässt, stehen die Chancen gut, dass der Klimakompressor keinen Schaden hat.
Ebenso dürften sich die Gummiklötze geändert haben, da die der neuen Riemenscheibe anders aussehen:














Reparatur

Wir schafften den Kompressor in etwas über einer Stunde selbst zu reparieren. Wir? Es schadet nicht wenn man einen Helfer hat.
Wie oben beschrieben: Rad und Abdeckung runter.
Danach kann man den Flachriemen lösen. Dazu muss der die Spannscheibe mittels Gabelschlüssel etwas angehoben werden. Einfach etwas an der Mutter drehen und schon hebt sich die Spannscheibe.
Wenn die defekte Mitnehmerscheibe ausgebaut ist, kann das verbleibende Stück von der Achse abgeschraubt werden...was das Schwierigste der ganzen Aktion ist.
An der Achse befindet sich ein Sechskant, so dass in Ratschenschlüssel angesetzt werden kann. Mit einer Wasserpumpenzange wird der abgebrochene Rest der Mitnehmerscheibe abgedreht. Das geht nicht ohne weiteres. Wir haben die Ratsche an der Karosserie befestigt und mit ein paar Hammerschlägen auf die Zange den Scheibenrest gelöst. Stimmt nicht ganz... ich konnte einen Ringschlüssel auf den Scheibenrest aufsetzen und habe dann auf diesen mi den Hammer geschlagen. Wenn man die Drehrichtung beachtet, benötigt man nur 2-3 Schläge. Es ist im Übrigen ein normales Rechtsgewinde ;-)
Die Gummiklötze habe ich ebenfalls durch die neuen ersetzt. Ich denke, es wird einen Grund haben, warum diese jetzt anders aussehen. Die Riemenscheibe habe ich nicht getauscht, da diese zum einem genau so aussah wie die neue und keine Beschädigung vorlag. Dazu müsste der Seegering abgenommen und die Riemenscheibe abgezogen werden.
Danach kann die Mitnehmerscheibe auf die Achse aufgesetzt werden und mit einer Drehbewegung aufgedreht werden. Dabei hilft es die Achse mit dem Ratschenschlüssel zu halten.
Das neue Ersatzteil hat einen normalen Seegering beigelegt, und keinen geschlossenen wie der Originale war. darum habe ich den Originalen wieder verbaut um  die Kupplung vor Schmutz zu schützen.

Nun kann der Riemen wieder montiert und eine Funktionsprüfung durchgeführt werden, welche bei mir auch positiv verlief.

Zum Schluss werden die Radkastenabdeckung und das Rad wieder montiert. Fertig!

Mindestens 750 wenn nicht sogar 1550€ gespart...bestimmt hätte sich irgendwohin ein Metallspan verirren können... Ich vertraue da den Werkstätten nicht sonderlich...

Beim hier gezeigten Auto handelt es sich um einen VW Polo 6R 1.4 mit 63kW Baujahr 2011


1 Kommentar:

  1. Danke für die tolle Anleitung. Leider hat man als Kunde immer öfters das Gefühl von Werkstätten gelinkt zu werden. Vor allem durch solche in denen man nicht Stammkunde ist ......

    AntwortenLöschen