Dienstag, 3. Oktober 2017

Welche Bohrmaschine brauche ich?

Konkret will ich in diesem Artikel meine Erfahrungen und Funktionsweisen der unterschiedlichen Typen von Bohrmaschinen, wie Schlagbohrmaschine und Bohrhammer erläutern. Ich bin kein Profi und kann daher nur meine Meinung als Hobby-Heimwerker wieder geben.





Die Bohrmaschine/Schlagbohrmaschine


Ich habe diese zwei Typen deshalb zusammengefasst, da es faktisch keine Bohrmaschine ohne Schlagfunktion mehr gibt, zumindest was kabelgebunde Geräte betrifft.
Eine Bohrmaschine erzeugt lediglich eine Drehbewegung, mit welcher sich der Bohrer in das Material arbeitet. In der Regel sind die Schneiden der Bohrer so geschliffen dass dies spanabhebend funktioniert. Diesbezüglich gibt es hochwissenschaftliche Abhandlungen, die ich hier aber nicht genauer erläutern will. Es soll ja um die Maschinen gehen...
Das Einsatzgebiet umfasst Holz, Metall und etwas eingeschränkt auch Mauerwerk

Drehzahl
Je nach Größe der Bohrer sollen diese auch mit unterschiedlichen Drehzahlen betrieben werden.
Daher sind nahezu alle, am Markt erhältlichen, Bohrmaschinen mit variabler Drehzahl ausgestattet. Im Normalfall geschieht das mit einem elektronischen Regler, welcher im Schalter integriert ist. Bessere Maschinen haben zudem noch zwei umschaltbare mechanische Gänge. Hier kann mittels eingebauten Getriebes die maximale Drehzahl verändert werden. Dadurch erreichen diese Geräte im unterm Gang ein höheres Drehmoment bei geringer Drehzahl und im oberen Gang ein kleines Drehmoment mit hoher Drehzahl.  Typische Werte sind hier etwa 1000U/min im ersten und ca. 3000U/min im zweiten Gang. Bei Akku-Geräte halbieren sich die Werte.
Ich persönlich würde nur zu Maschinen mit mindestens zwei mechanischen Gängen greifen, da diese bereits unwesentlich teurer sind.
Hochwertige Bohrmaschinen haben zusätzlich noch eine Elektronik verbaut, die auch die Drehzahl unter Last konstant hält bzw. nachregelt. Eine feine Sache aber für den Gelegenheitsanwender nicht unbedingt notwendig.

Bohrfutter
Billige Bohrmaschinen sind mit einem herkömmlichen Zahnkranz Bohrfutter ausgestattet. Um damit einen Bohrer einzuspannen wird ein spezieller Schlüssel benötigt. Anders sieht es bei Schnellspannbohrfutter aus. Diese können mit der Hand, also werkzeuglos, angezogen werden und ermöglichen dadurch einen schnelleren Bohrerwechsel. Der Gelegenheitsanwender wird aber mit ersteren auch glücklich werden.
Grundsätzlich können alle Bohrer, deren Durchmesser in das Bohrfutter passt, verwendet werden.


Schlagwerk
Ein Schlagwerk wird benötigt um auch Löcher ins Mauerwerk bohren zu können, da hier meistens eine Drehbewegung nicht ausreicht. Beton- oder Steinbohrer werden neben der Drehbewegung auch nach vor und zurück bewegt. Erzeugt wird dies via zwei Zahnscheiben die mit ihren Zähnen übereinander rattern. Schlagwerke mit Metallkugeln sind heute aber Stand der Technik und nahezu verschleißfrei. Die angegebene Schlagzahl gibt die Anzahl der Schläge des Schlagwerks auf den auf den Bohrer pro Sekunde bei maximaler Drehzahl an und liegt etwa bei 50 000 Schläge pro Sekunde.
Ich rate aber davon ab diese Werte in die Kaufentscheidung mit ein zu beziehen, da für den Bohrfortschritt die Schlagenergie nicht aber die Schlagzahl maßgeblich ist.  Die Schlagenergie ist bei diesen Schlagwerken eher gering und daher auch sehr selten angegeben. Massiver Beton (zB. der einer Betondecke) ist damit nicht zu bewältigen. Ein verglühen den Bohrers ist meistens der Fall.

Rutschkupplung
Nur die ganz teuren Geräte haben eine. Wer nur Holz bohrt wird keine benötigen, da hier die Bohrer so gut wie nie stecken bleiben. Bei Metall macht's schon eher Sinn. Anders als bei Bohrhammern Lösen die Kupplungen bei normalen Bohrmaschinen erst bei einem viel höheren Drehmoment aus.

Meine Maschinen
Ich besitze zwei derartige Maschinen: Eine Grüne Bosch (ca. 30 Jahre alt) mit Drehzahlregelung aber ohne Getriebe und eine Makita HP2071 mit allem Schnickschnack (Testbericht)

Der Gelegenheitsanwender wird mit einer günstigen Bohrmaschine das Auslangen finden. Hier sollte allerdings nicht zum billigsten Model, sondern zu dem eines bekannten Herstellers gegriffen werden, die hat man im Normalfall ewig.



Der Bohrhammer


Ein Bohrhammer ist dafür gebaut, um ins Mauerwerk, Beton, Stein uvm. zu Bohren. Neben dem eigentlichen Bohren bieten viele Hämmer die Funktion das Bohrfutter in einer beliebigen Position zu fixieren  (Drehstop) und die Maschine als Meißel bzw. Stemmhammer zu benutzen. Wer einmal mit so einer Funktion gearbeitet hat will diese nicht mehr missen.

Drehzahl
Die Drehzahl ist bei Bohrhämmern eher gering gehalten und liegt meist in der Gegend zwischen 500-1000U/min. Die Drehbewegung wird hier auch nicht für den Bohrfortschritt  sondern für den Abtransport des Bohrmehls benötigt. Eine zu schnelle Rotation ist kontraproduktiv, da hier der Bohrer verglühen kann.
In seltenen Fällen gibt es auch Maschinen mit zwei mechanischen Gängen für universale Anwendungen. Zudem liegt diesen Maschinen auch ein zweites Bohrfutter bei, mit dem auch herkömmliche Bohrer eingespannt werden können. Sicherlich eine bessere Alternative zur Schlagbohrmaschine für den Gelegenheitsanwender, aber auch um einiges teurer. Meine Bosch PBH 3000-2FRE wäre so ein Gerät (Testbericht)

Bohrfutter
Das bekannteste ist hier die SDS-Plus (10mm Schaft) Aufnahme, gefolgt von dem deutlich größeren SDS-Max (18mm Schaft) Bohrfutter, welches bei den großen Maschinen zum Einsatz kommt. Bosch hat noch das SDS-Quick erfunden (6,5mm Schaft) welches bei den kleinen Akku-Bohrhammern zum Einsatz kommt. Für die ganz großen Jungs wäre dann noch das SDS-Hex Format erwähnenswert, dies kommt allerdings fast ausschließlich für Stemmhämmer/Abbruchhämmer zum Einsatz.
SDS-Plus

Anders als bei herkömmlichen Bohrfuttern, müssen hier die Bohrer nicht eingespannt werden. Die SDS-Bohrer werden in das Bohrfutter eingesteckt und rasten ein. Eine Gummimanschette umschließt dabei den Schaft des Bohrers, welcher ja, egal welcher Bohr-Durchmesser, bei jedem Bohrer gleich ist. Daher ist auch das Bohrfutter vor Staub bzw. Bohrmehl geschützt. Da sich der Bohrer im Bohrfutter bewegen kann, sollte dieser beim Einführen mit Bohr- und Meiselfett etwas eingefettet werden. Dadurch erhöht sich deutlich die Standzeit des Bohrfutters. Natürlich sollte dabei auch der Schaft des Bohrers frei von Staub o.ä. sein.



Die verwendeten Bohrer müssen zum Bohrfutter passen. So können in einem in einem SDS-Plus Futter nur SDS-Plus Bohrer eingeführt werden.


Schlagwerk
In der Regel werden pneumatische Schlagwerke verbaut. Mit intern erzeugter Druckluft wird ein Schlagbolzen in Richtung Bohrer beschleunigt, bis dieser auf den Bohrer einschlägt. Die Schlagenergie wird dann vom Bohrer ins Mauerwerk übertragen, ähnlich wie es mit Hammer und Meißel funktioniert. Der Bohrer meißelt sich daher den Weg frei und die Spindel am Bohrer befördert durch die Drehbewegung das Bohrmehl aus dem Bohrloch.
Der Schaft des Bohrers ist ja mit dem Bohrfutter definiert und somit ergibt sich auch die Fläche über die der Schlagbolzen die Energie auf den Bohrer übertragen kann. Anders als bei der Schlagbohrmaschine wird hier das Bohrfutter nicht für die Energieübertragung genutzt.
Bei Bohrhämmern wird auch immer die Schlagenergie in Joule angegeben. Je höher die Schlagenergie desto schneller auch der Bohrforstschritt. Die Schlagzahl wird ebenfalls angegeben, liegt bei etwa 5000 Schlägen pro Minute und sollte eher zweitrangig in die Kaufentscheidung mit einbezogen werden.


Rutschkupplung
Leider ist dieses Feature nicht bei allen Bohrhämmern verbaut. Falls der Bohrer im Bohrloch stecken bleibt, zB. weil man auf Armierungsstahl getroffen ist, wird die Drehbewegung des Bohrers beim Überschreiten eines gewissen Drehmoments unterbrochen. Ohne Rutschkupplung würde sich so die Maschine weiter drehen. Bei großen Maschinen hat es da schon gebrochene Kiefer und sogar Stürze von Leitern gegeben. Umso wichtiger je größer die Maschine ist.

Meine Maschinen
Tja, ich habe einen Faible für derartige Maschinen und besitze darum 5 Typen.... von ganz klein bis ganz groß. Von meiner Hilti (SDS-Max) gibts leider kein Bild. Eine derartige teure Maschine ist aber für einen Privatanwender oder Häuselbauer nicht notwendig.

Prinzipiell ist zu sagen, dass man mit Geräten von namhaften Herstellern, sei es jetzt Bosch (Grün oder Blau), Makita, Metabo uvm. , keine Fehler macht. Unterschiede würden sich nur im direkten Vergleich zeigen und fallen eher in die Kategorie "Jammern auf hohem Niveau". Neben den typischen technischen Daten rate ich auch auf das Gewicht der Maschine zu achten, zumal man vor hat viel damit zu stemmen. Da macht sich jede Gramm bemerkbar.





Kommentare:

  1. Beschrieben bis aufs Letzte, sehr schöner Bericht da konnte ich wieder etwas lernen.

    Gruß Felix

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  2. Sehr schöner Artikel und gutz beschrieben. Allerdings muß ich sagen, daas ich nach dem Kauf meines KRESS M800 Bohrhammers mit SDSplus Anno 1992 keinen Schlagbohrer mehr angefasst habe. Für Mauerwerk nehm ich seither nur noch die Kress. Und wenn es doch mal eine Gipsplattenwand ist, dann kann ich ja das Hammerwerk abschalten.
    Seitdem nutze ich im Haus nur noch Akkuschrauber und eben die KRESS. OK, eine FEIN BOP10-4 im Bohrständer, aber die ist ja fürs Holzwerken ;-)

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    1. Ein Bohrhammer wär auch fürs Holzwerken nicht so angebracht :-)

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