Sonntag, 18. Oktober 2020

Rollladenmotor reparieren

Tja, alles was gut und teuer ist, geht in meinem Fall eher früher als später kaputt. Als bekanntestes Beispiel sei hier meine Entkalkungsanlage zu nennen. Aber auch LED-Lampen eines namhaften Herstellers (die Vorschaltgeräte...) und eben Funk-Rollladen möchte ich hier erwähnen. Und alle haben das gleiche Problem: billige oder unterdimensionierte Elektronik verbaut zu haben, die frühzeitig den Geist aufgibt. 

Mittlerweile habe ich bei meinen Elero Funk-Rollladenmotoren eine Ausfallrate von 100%, weshalb die Vermutung nahe liegt, dass ich nicht der Einzige mit dem Problem bin. Um sagenhafte 1,60€ lässt sich das Problem beheben.



Eigentlich sollten die Rollos für 25 Jahre Betrieb ausgelegt sein aber nach nur 3 Jahren wollte mir der Fensterbauer nur mehr einen neuen Motor um 250€ zum selbst einbauen verkaufen.... Da wird nicht auf Kundenzufriedenheit geachtet....

Das Problem: 

Wenn sich die 886MHz Rollo ihren Lebensende nähert, äußert sich dies durch leises kurzes und immer wiederkehrendes Piepen, Fiepsen, ... rund um den Rollladenbereich. Oder der Rollladen bewegt sich nur mehr ein kleines Stück. Man muss also schon die Fernbedienung etliche Male drücken, um das Rollo zu schließen oder zu öffnen. 

Die interne Stromversorgung hat hier nur mehr eine sehr geringe Leistung, und kann die Elektronik nicht mehr vollständig versorgen. Der Motor läuft übrigens mit 230V.


Ausbau


Der Aus- und Einbau ist das Aufwendigste an der ganzen Geschichte. Bei meiner Version musste ich zuerst die Fernbedienung massakrieren um die Beschattung komplett runterzufahren. Dadurch sind die einzelnen Lamellen nicht mehr um den Motor gewickelt.

Durch Öffnen der Abdeckung gelangt man in den Rollladenkasten. Das Kabel des Motors führte in meinen Fall in eine Unterputzdose im Inneren des Hauses. In dieser kann das Kabel abgeklemmt werden. Gleichzeitig band ich eine Schur um das Kabel, welches leider fest mit dem Motor verbunden ist, und zur Demontage herausgezogen werden muss. Mit der Schnur bringt man das Kabel nach der Reparatur leichter wieder ins Innere des Hauses. 


Die Lamellen selbst werden über Federn mit der Wickelstange verbunden. Deren Position habe ich mit Lackstift markiert, um diese später wieder an die gleiche Position zu hängen.




Der Motor selbst steckt im inneren des sechseckigen Rohres und dieses kann einfach an der gegenüberliegenden Seite gelöst werden. Hier sind allerdings nicht alle Systeme gleich....

Wenn die Stange gelöst ist, sollte der Antrieb einfach aus dem Rohr gezogen werden können... sollte... ich musste ein wenig mit dem Schraubendreher nachhelfen. Irgendwas steckte fest.


Reparatur

An der Seite des Kabels kann, wenn zwei Schrauben gelöst wurden, die Elektronik aus dem Motor gezogen werden (hier ein Bild vom Zusammenbau).


Die Technik in voller Bracht:

Das weiße Runde neben rechts neben der Elektronik ist der Motorkondensator. Da dieser nur in Betrieb ist, wenn sich die Rollos bewegen, waren alle bei mir in Ordnung.
Um die Elektronik lösen zu können sollte die Antenne abgelötet werden.

Rechts befinden sich die Relais, welche den Antrieb selbst schalten. Die beiden grauen X-Kondensatoren agieren mit einigen Widerständen an der Unterseite und einer Zenderdiode samt Stützkondensator als RC-Netzteil. Dh, diese beiden grauen Blöcke liefern den Strom für die interne Elektronik. 
Für den Fall, dass der Motor als herkömmlicher Rollladen ohne Funk verwendet wird, ist je ein Kondensator für das Rauf und Runterfahren zuständig. Wird der Motor nur mit Funk betrieben, können beide Phasen des Motors mit einem Außenleiter verbunden werden. Diese Betriebsart hatte ich gewählt. In diesem Fall liefern beide Kondensaten die Versorgung.
Der typische Rollladenmotor wird mit 4 Kabel angeschlossen: 1x Schutzleiter (PE), 1x Neutralleiter, 1x Phase für Rauf, und 1x Phase für Runter. Normalerweise sollte rauf und runter nie gleichzeitig unter Strom gesetzt werden, da sonst der Motor abbrennen kann. In diesem Fall aber, mit interner Elektronik, können auch beide Phasen gleichzeitig mit 230V verbunden werden, und der Motor kann über die Fernbedienung gesteuert werden. 
Leider ist in diesem Betrieb permanent Strom am Kondensator. Im Normalfall ist da kein Problem, denn diese RC-Netzteile sind im Normalfall recht zuverlässig. Nun habe ich es in letzter Zeit immer öfter miterlebt, dass derartige Kondensatoren den Geist aufgegeben - oder technisch gesprochen: durch ihre Selbstheilung an Kapazität verlieren.
Bei dem Kondensator handelt es sich um einen MKP 390nF mit 275Vac Typ. Der Kapazitätswert an sich ist äußert ungewöhnlich, da dieser außerhalb der E6-Reihe liegt (10-15-22-33-47-68). Noch dazu ist für mich der Hersteller nicht identifizierbar. 
Bei der Kapazitätsmessung ergab sich bei einem Kondensator ein Wert von 130nF und beim zweiten etwas über 200. In Summe also 330nF. Da beide Kondensatoren in Betrieb waren, und das Rollo nicht mehr anständig funktioniert hat, nehme ich an, dass die 390nF allein schon sehr knapp bemessen sind. Immerhin muss nur ein Kondensator die Elektronik versorgen, wenn die Rollos ohne Funk betrieben werden.
Um mir zukünftige Reparaturen zu ersparen, habe ich hochwertige Kondensatoren bestellt, welche auch einen etwas höheren Kapazitätswert aufweisen. Auch sollte die maximale Betriebsspannung etwas höher sein. Von der zusätzlichen Verlustleistung an der Zenerdiode sollte es trotzdem kein Problem darstellen, die ist ausreichend dimensioniert. Außerdem plane ich die Beschattung nicht mehr mit der Funkfernbedienung zu betreiben, sodass die Hilfsversorgung nicht mehr kontinuierlich in Betrieb ist.

Größenvergleich


Ich denke nicht an Zufall, wenn ich mir den Platz zwischen den originalen Kondensatoren so ansehe. Da könnten auch Größere geplant gewesen sein. Darum passen auch die von mir gewählten Kondensatoren mit 300Vac und 470nF  gerade noch in die Platine.

Nachdem wieder alles zusammengebaut ist, kann der Antrieb wieder in Betrieb genommen werden. Mein erstes repariertes Rollo ist mit größerem Kondensator mittlerweile schon zwei Jahre im Funk-Betrieb. Dh. beide Kondensatoren sind kontinuierlich am Stromnetz. Kein Ausfall, alles zur besten Zufriedenheit. 
Zukünftig wird aber die Betriebsart auf "manuell" geändert, da ich das Rollo ins Smart Home integrieren möchte. Ich werde berichten....

Die Fernbedienung VarioTel 2 verrät, dass zumindest in Österreich das gleiche System auch von Schlotterer verbaut wird. 



Bei einer Ausfallrate von 100% kann ich derartige Rollladen nicht empfehlen. Ich rate daher generell zur klassischen Ansteuerung via mechanischen Rollladenschalter bzw. auch einer elektronischen Ansteuerung außerhalb der Rollos. Das ist zum einen deutlich billiger, man ist vom System (KNX, Funk, ...) flexibler, und im Falle eines Defekts ist die Elektronik auch einfacher zu tauschen. 

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