Montag, 1. Juli 2019

Fritz!Repeater 3000 - Der Netzwerkkabel-Ersatz?

Der Berliner Hersteller AVM hat im Frühjahr den neuen Fritz!Repeater 3000 auf den Markt gebracht. Dieser soll insgesamt drei Funkeinheiten mit an Bord haben und dadurch einen deutlich höheren Datentransfer erlauben. Erstmals bietet dieser Repeater jeweils eine separate Sende- sowie eine Empfangseinheit im 5GHz WLAN als auch eine Einheit für die 2,4GHz Kanäle.

(GHz = Giga-Hertz ... ist die Maßeinheit für die Frequenz. 1Hertz entspricht einer Schwingung pro Sekunde, 5GHz sind demnach 5.000.000.000 Schwingungen pro Sekunde - also sehr viele)














Was bedeutet das?

Beginnen wir bei den typischen 2,4 GHz Repeatern, wie zB. den Fritz!Repeater 310, um mal im AVM Ökosystem zu bleiben, welche mittlerweile sehr preiswert zu erwerben sind und generell nur eine Einheit fürs Senden und Empfangen besitzen. Es wird eine Datenrate von 300 MBit/s angegeben. Bei idealen Bedingungen würde das für die Kommunikation mit dem Router 150MBit/s und für das Endgerät ebenfalls 150MBit/s entsprechen. Die Daten müssen ja empfangen und über die gleiche Antenne wieder gesendet werden. Man bekommt daher nur die halbe Datenrate welche eigentlich angegeben ist.

Mit den WLAN N bzw. AC Standard zogen dann die 5GHz-Netzwerke ins heimische Netz ein. Auch hier wurden entsprechende Repeater angeboten, welche u.a. auch als "Dualband" vermarktet wurden. Die Geräte haben eine Funkeinheit fürs 2,4GHz als auch eine fürs 5GHz Netz - also 2 Einheiten, daher auch der Name Dualband. Auch hier müssen die angegebenen Datenraten ebenfalls halbiert werden um, die tatsächliche Geschwindigkeit zu erhalten (einfach gesagt...). Der Fritz!Repeater 1160 und 1750E sind zB. derartige Geräte.
Auch bei diesen Geräten müssen die Daten zuerst empfangen und anschließen über die gleiche Antenne wieder versandt werden. Das kostet Zeit und Datenrate, während im LAN-Brücken Modus (Access Point) aber die volle Bandbreite zur Verfügung steht.

Der nächste logische Schritt ist daher der Tri-Band Repeater. Quad-Band (also 4fach) würde keinen Sinn machen, da der 2,4Ghz Standard zu langsam ist. ... nur so nebenbei.
Man baut daher Geräte mit zwei 5GHz Einheiten und einer 2,4GHz Einheit. Eine der 5GHz Einheit (in der Regel die schnellere) kommuniziert nur mit dem Router, während die andere nur für die Endgeräte zur Verfügung steht. Die 2,4GHz Einheit wird vom den 5GHz Kanal mitversorgt. Da gesendet und empfangen gleichzeitig werden kann, müssen die Datenraten auch nicht halbiert werden.
Natürlich lässt sich die volle Geschwindigkeit auch nur dann realisieren, wenn der Router eine ebenso flotte WLAN Einheit besitzt wie der Repeater.



Technische Daten Fritz!Repeater 3000

WLAN bis 1.733 MBit/s (5 GHz 4 x 4) für die Kommunikation mit dem Router
WLAN bis 866 MBit/s (5 GHz 2 x 2) für die Kommunikation mit den Endgeräten
WLAN bis 400 MBit/s (2,4 GHz 2 x 2) für die Kommunikation mit den Endgeräten
2 x Gigabit-LAN-Anschluss

Auffallend waren auch die äußerst effektiven Antennen im inneren des Gerätes. Dadurch hat das ausgesendete WLAN-Signal eine deutlich höhere Reichweite als es bei den üblichen Repeatern der Fall ist. Daher wäre dieses Gerät die ideale WLAN-Basis (LAN-Brücke)  für die von den österreichischen Providern zur Verfügung gestellten Modems. Stichwort Routerzwang.... Ja wir Ösis beharren noch immer darauf :-(

Aufstellungsort

...der will sehr gut gewählt werden. Je höher die Frequenz ist, desto ähnlicher verhält sich das Funk-Signal wie das Licht. Das bedeutet, dass Wände, vor allem Beton, etc. bei 5GHz echt zum Problem werden. Ja, sogar Holzwände können das Signal schon empfindlich dämpfen. Es gilt daher der direkte Sichtkontakt zum Router als beste Option. Sollten Wände oder Decken zwischen Sender und Empfänger sein, wäre es am besten diese möglichst mit einer gedachten Linie von 90° zu durchqueren. Außerdem stellt man den Repeater nicht an jenem Ort auf, an dem die Verbindung benötigt wird, denn so hätte ja der Repeater ebenfalls eine schlechte Verbindung ... Auf halber Stecke ist daher der ideale Standort.
Hilfsmittel, wie die MyWLAN-App, geben hier eine grobe Orientierung, wobei eher Router-Nahe Standpunkte zu bevorzugen sind.
Ein Ferrari wird auf Feldwegen keine imposanten Rekorde aufstellen, man benötigt dazu adäquate Asphaltpisten. Genauso verhält es sich auch mit den Repeatern.
Das ist der Grundriss unseres Hauses. Die Fritzbox 7590 (Router) steht zentral im Gang. Ich habe zwar im Zimmer 1 noch WLAN-Empfang, aber nur mit eingeschränkten Datenraten. Hier soll der Repeater Abhilfe schaffen. Die 3 Kreise im Bild markieren die möglichen Standpunkte, wobei der Punkt 1 zu bevorzugen ist, da dieser eine direkte Sichtverbindung zur 7590 hat und auch der nächstgelegene Punkt zum Router ist. Zur Not geht auch noch Punkt 2, aber aufgrund der größeren Entfernung ist hier mit einer geringeren Datenrate zu rechnen. Auch der Nachbar würde sich freuen, wenn er Zugang zum Gäste-WLAN hätte ... Ganz schlecht ist Punkt 3, wo der PC steht, da hier einige Wände durchquert werden müssen und das auch noch schräg.
Position 1 versorgt nicht nur Zimmer 1 sondern auch noch einigermaßen gut Zimmer 2 (90° durch die Wand), sowie auch die Terrasse, welche sich außerhalb des Fensters befindet.


Speed-Vergleich Fritz!Repeater 1750E und 3000

Folgenden Aufbau habe ich gewählt:

WLAN:
LAN:

Der Testaufbau ist natürlich nicht rein zufällig so gewählt, sondern entspricht den tatsächlichen Aufbau bei uns im Hause. Switch und NAS stehen im Keller, der Rest im Erdgeschoss.

NAS: Synology DS218 Play (max. 856 MBit/s Lesen, 704MBit/s Schreiben)
Switch: Netgear GS116GE
Notebook: HP Probook 640 G2 mit Intel Wireless-AC 7265
Firmware Fritz!Box 7590: 7.10
Firmware Fritz!Repeater 1750E: 7.10
Firmware Fritz!Repeater 3000: 7.04

Zwischen Repeater und Fritzbox herrscht eine Sichtverbindung mit einer Distanz von 8m.
Es wird eine Datei von 7 GByte (Der Pate - Teil 3) von der NAS (Netzwerkfestplatte) auf das Notebook kopiert und wieder zurückgeschrieben, wobei die jeweilige Dauer ermittelt wird. Somit lassen sich die (Netto-) Datenraten berechnen.

Ergebnis:







Da der Repeater über ein Netzteil mit Kabel versorgt wird, ist die Positionierung auch flexibler als dies bei den älteren Modellen der Fall ist. Letztere sind an die Position der Steckdose gebunden und die sind meist weit unten. Ein drehen des Repeaters hatte bei mir keinen Einfluss auf den Empfang.

Fazit

Wie zu erwarten war, hat sich die Datenrate im reinen WLAN-Betrieb, zumindest was den Download betrifft, gegenüber dem Vorgängermodell verdoppelt. Beim Upload ist diese leider unverändert geblieben. Wer da mehr rausholen will sollte sich, so wie ich, via Netzwerkkabel mit dem 3000er verbinden. So ist man beim Download schon fast bei Gigabit Ethernet Geschwindigkeit und der Upload erreicht ebenfalls ein erträgliches Niveau.
Nicht zuletzt hilft die flexible Positionierung, dank des langen Netzkabels, zusätzlich bei der Steigerung der Datenrate.
Der typische Facebook, Instagram oder YouTube-Surfer wird dieses Gerät aber bestimmt nicht ausreizen. Es richtet sich eher an Netzwerkenthusiaten (so wie ich einer bin), hochauflösende Video Streamer, Gamer udgl. bzw. an Leute, die den Repeater einfach nur haben wollen (ok, da zähle ich mich jetzt auch dazu ;-)  )
Alles im Allem ein recht gelungenes Gerät mit noch etwas Luft nach oben (Upload).

Weiterführende links:
Mein Heimnetzwerk
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Fritz!Dect 301 - Smarte Heizung
Fritz!Dect 301 Heizkörperthermostat Fazit

1 Kommentar:

  1. Guter Artikel.
    Allerdings sind in dicht besiedelten Gegenden - so wie bei mir - die ganzen WLAN-Kanäle komplett überbelegt - sowohl bei 2,4 als mttlerweile auch bei 5 GHz. Da bringt der Repeater zwar Reichweite, aber in Punkte Bandbreite passiert nix. Daher habe ich dann mehrere Räume doch noch verkabelt.

    Okay, mit einem 7 Personen Haushalt haben wir natürlich selber schon eine Menge WLAN Geräte, aber auch bei den Nachbarn steht mittlerweile eine Menge Zeug rum...

    Ein Netzwerkscan mit "Netstumbler" gibt da immer interessante Aufschlüsse

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