Montag, 27. Mai 2019

Fritz!Dect 301 Fazit nach einer Heizperiode

Wie zuverlässig sind diese Thermostate? Ist die Bedienbarkeit in der Praxis praktikabel? Läuft die Software stabil?  Immerhin handelt es sich hier um einen Bestandteil der Heizung, und der muss sehr zuverlässig laufen.
Zu guter Letzt: Gibt es überhaupt eine Einsparung mit derartigen "Energiesparreglern"? Denn das ist ja der wahre Grund, warum man sich derartige Regler anschafft.
All diese Fragen möchte ich zum Test, von insgesamt 6 installierten Fritz!Dect 301 während einer Heizsaison, beantworten.


Ich hatte schon einige dieser Energiesparregler getestet. Wirklich zufrieden war ich mit keinem System. Wobei ich nie smarte Regler ausprobiert hatte. Da die meisten Smarten Heizkörperthermostate eine Bridge benötigen, schreckt der Einstiegs-Preis von Bridge und Thermostaten doch ab. Die Bridge wird im Übrigen dafür benötigt, um eine energiesparende Funkverbindung (Bluetooth, ZigBee,...) ins Heimnetz zu konvertieren. Eine Kopplung mit WLAN wäre für die batteriebetriebenen Geräte zu energiehungrig.
AVM, bekannt als Hersteller der Fritzboxen welcher auch die Thermostate herstellt, setzt dabei auf den ULE-DECT Standard und das bedeutet, dass jede FritzBox mit DECT (also alle die mit 5xxx, 6xxx oder 7xxx beginnen) schon eine Bridge integriert hat. Die zusätzliche Anschaffung und der zusätzliche Stromverbraucher fällt damit weg. Mit knapp 90€ ist das günstigste Modell, die Fritz!Box 7430, auch billiger als die meisten Bridges und man bekommt einen sehr guten Internetrouter noch dazu.

Installation

Wie man die Thermostate installiert habe ich bereits hier erklärt. Die mitgelieferten Adapter funktionieren jedenfalls auch problemlos.

Reichweite

Bei mir steht die Fritzbox zentral im Erdgeschoss, also für diesen Fall nahezu ideal. Ich hatte keine Verbindungsabbrüche bei den Thermostaten, welche sich in der gleichen Etage befanden. Lediglich das eine Thermostat im Halbstock, wo das Funksignal schräg durch den Fußboden, Außenwand und Aluminiumtür muss, hatte ich die Saison 2x Verbindungsabbrüche. Das sind für Funksignale in diesem Frequenzbereich (1,9GHz) erschwerte Bedingungen, warum ich über den Einsatz eines DECT-Repeaters nachdenke, was ich auch jedem empfehlen würde, der diese Energiesparregler über mehrere Etagen betreiben will. Einfach ausprobieren...
Jedenfalls hat sich nach einem Abbruch der Verbindung das Thermostat nach etwa 2-5 Stunden wieder selbst mit der Zentrale verbunden. Während dieser Zeit regelt aber das Thermostat selbstständig weiter und soweit ich erfahren habe, läuft auch der Zeitplan, wie abgespeichert, weiter. Lediglich manuelle Änderungen im Zeitplan oder der Soll-Temperatur werden während des Verbindungsabbruches nicht übernommen.
Es ist übrigens die Position des Thermostates für die Abbrüche verantwortlich gewesen, da ich die Thermostate auch untereinander getauscht hatte und es nur an diesen Ort zu den Abbrüchen kam.

Bedienbarkeit

Einstellungen direkt am Regler hatte ich nie vorgenommen, da hier aufgrund der Kinder die Tastensperre aktiviert wurde. Ich nutze die Web-Oberfläche der Fritzbox, oder die Handy-App. Darum kann ich auch nur meine Erfahrungen diesbezüglich wiedergeben.
Zeitpläne ändern, Soll-Temperaturen ändern, usw. funktioniert alles intuitiv und geht sehr komfortabel von der Hand. Besonders gut gefällt mir, dass sich mehrere Thermostate in Gruppen zusammenfassen lassen. So kann ich zB. Ess- und Wohnzimmer, also unseren Hauptwohnbereich, mit einer Zeitschaltung verwalten. Ebenso werden auch Änderungen der Temperatur und Urlaubsschaltung für alle in der Gruppe befindlichen Thermostate übernommen.
Man kann entweder jede Gruppe oder jedes Thermostat einzeln in den Urlaubsmodus schicken oder man erstellt sich eine Vorlage, welche bei allen Reglern gleichzeitig die Betriebsart ändert. Was ist der Urlaubsmodus? Wenn über Tage niemand zu Hause ist, kann dieser Modus aktiviert werden. So Regeln die Thermostate auf die eingestellte niedrigere "Urlaubstemperatur" und melden sich nur mehr stündlich bei der Fritzbox, um Batterien zu sparen. Durch Eingabe eines Datums, kann dieser Modus auch geplant werden.
In den Vorlagen lassen sich die aktuellen Einstellungen der Gruppen und Thermostate auch speichern, damit sie jederzeit wieder abgerufen werden können. Allerdings lassen sich mehrere Gruppen oder Thermostate nicht in einer Vorlage zusammenfassen, so dass auch die individuelle Zeitschaltung und Soll-Temperatur von jedem Thermostat erhalten bleiben. Hier können nur eine Spar- und Komfort-Temperatur sowie eine Zeitschaltung vorgegeben werden, welche dann für alle Thermostate übernommen werden. Ich mag es aber im Bad wärmer haben und nicht so weit absenken als in den anderen Räumen, weshalb ich diese Funktion nicht nutze.
Großartig wäre auch, die Vorlagen zeitlich planen zu können.
Alle Änderungen werden erst spätestens nach 15 Minuten vom Thermostat übernommen. Dies hat sich aber in der Praxis nicht als Nachteil herausgestellt.
Dank MyFritz kann ich auch jederzeit zB. vom Arbeitsplatz-PC aus, Veränderungen vornehmen.












In der MyFritz Übersicht ist der Smart-Home Bereich sehr klein geraten, darum nutze ich es selten. Toll wäre, die einzelnen Bereiche verschieben und ihrer Größe ändern zu können.

Sehr komfortabel geht es in der Smart-Home Steuerzentrale zu.










Zum Schluss sei noch erwähnt, dass die Thermostate keine Internetanbindung benötigen. Alle Daten bleiben lokal auf der Fritzbox bzw. den Thermostaten gespeichert und schweben nicht auf unbekannten Clouds durch die Weltgeschichte.

Geofencing

Bei Geofencing wird die Anwesenheit der Personen in der Wohnung oder im Haus überprüft. Das kann auf unterschiedliche Arten geschehen: entweder wird überprüft ob sich ein oder mehrere Handys der Bewohner im Haushalt befinden (Anwesenheit im Wlan), oder die Mobiltelefone schicken die GPS Daten an die Smart-Home Zentrale, welche aufgrund der Distanz die Heizung in den Spar- oder Komfortbetrieb regelt. Diese Möglichkeit gibt es bei den AVM-Thermostaten aber nicht, weshalb ich den Umweg über meinen IoBroker Server gemacht habe.
Praktikabel war die Lösung allerdings nicht, da in unserem Haus ein Raum etwa eine Stunde (bei Minusgrade auch mal länger) benötigt, um von der Spar-Temperatur auf Komfort-Temperatur zu gelangen. Mein Arbeitsweg, wie der meiner Frau, beträgt etwa eine halbe Stunde, weshalb es auch noch immer kalt beim nach Hause kommen war. Bei einem Single-Haushalt geht das vielleicht, aber bei einer Familie sicher nicht. Außerdem dürfte hier die maximale Ersparnis bei nur zusätzlichen 2-3% liegen.


Zuverlässigkeit

Diesbezüglich kann ich überhaupt nicht meckern. Die Engergiesparregler haben die 8-monatige Heizperiode ohne auch nur dem geringsten Problem funktioniert. Dabei habe ich fast nichts unversucht gelassen. So habe ich ab und zu mal die Fritzbox abgeschaltet, einen Positionswechsel der Thermostate vorgenommen, mit externen Temperaturfühler (Fritz!Dect 200 und Fritz!Dect 210) experimentiert,  Urlaubsschaltung aktiviert und teilweise wieder abgebrochen usw. usw. Diesbezüglich bin ich echt ein Hardcore Nutzer. Auch habe ich 2Stk FritzDect 301 im Badezimmer montiert wo ab und an sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Noch dazu ist einer davon knapp über der Badewanne und der andere knapp neben der offenen Dusche montiert, so dass sie auch mal einen Spritzer Wasser abbekommen. Alles kein Problem. Allerdings habe ich die Thermostate so montiert, dass die Seite des Temperaturfühlers (kleiner Schlitz unter der +/- Wippe) zur Wand gerichtet sind und das Display daher nicht sichtbar ist. Aber so kann auch kein Wasser auf den Sensor gelangen.  Der Batteriestand beträgt noch immer 60% und diese werden vermutlich auch eine zweite Saison überdauern. Außerhalb der Heizsaison ist der Batterieverbrauch ja deutlich geringer.

Heizkostenersparnis

Jetzt kommt der Punkt, der vermutlich die meisten interessiert. Was habe ich im Endeffekt gespart?
Durchschnittlich benötigte ich pro Jahr zwischen 23 und 24 Raummeter Hartholz, meist Eiche was einer Energie von ca. 52000kWh oder 4600Liter Heizöl entspricht.
Der Verbrauch dieses Jahr lag bei ziemlich genau 18 Raummeter was in etwa 40000kWh bzw. 3500 Liter Heizöl entsprechen.
Die Ersparnis liegt daher bei erstaunlichen 23%!
Stand heute wären das bei Heizöl (gekauft in Wien bei 3000l Abnahme und 80€/100 Liter) eine Ersparnis von 880€ beziehungsweise 400€ beim Heizen mit Scheitholz (80€/RM inkl. Lieferung). Die Investitionskosten der Thermostate samt FritzBox haben sich daher in weniger als einer Heizsaison amortisiert. Die erwarteten 15% vor der Heizsaison (Bericht) wurden damit deutlich übertroffen.
Ich denke daher, dass die auf den Thermostaten propagierten 30% realistisch sind (2 Personen Haushalt, beide 40 Stunden Job).
Wie gesichert ist diese Aussage? Meine Eltern heizen ebenfalls mit Holz und hatten nahezu immer den gleichen Verbrauch wie wir. Noch dazu beziehen wir das Holz sogar aus den gleichen Wäldern. Da mein Elternhaus auch dieses Jahr einen Verbrauch von 24 Raummeter hatte, denke ich das meine Einsparung ziemlich realistisch ist. Der Winter war zwar relativ mild, jedoch dauerte er weit länger als üblich.
Die typische Zeitschaltung und Temperaturen bei uns sehen so aus:
Wie zu sehen ist, haben wir es relativ warm bei ca. 23,5°C, warum auch die Einsparung so hoch ausgefallen sein dürfte.

Nahezu alle modernen Heizungssteuerungen bieten bereits eine Nachtabsenkung an, wobei einfach in der Nacht die Außentemperatur geführte Vorlauftemperatur für die Heizkörper reduziert wird, um Energie zu sparen. Daher denken die meisten, dass sie genau deshalb auch keine smarten Thermostate an den Heizkörpern benötigen. Allerdings wird bei diesen Steuerungen die Innentemperatur nur zentral gemessen, was zu einer großen Ungenauigkeit führt. Deshalb werden an den Heizkörpern trotzdem normale Thermostate verbaut, um in den Räumen die Temperatur konstant zu halten, da ja nicht jeder Heizkörper 100%ig an den jeweiligen Raum angepasst ist. Tja und dann gibt's noch die thermische Kapazität der Wände, welche ebenfalls zu Temperaturschwankungen führen würde.
Aktiviert nun der Heizkessel die Nachtabsenkung, fällt klarerweise auch die Raumtemperatur, was das gasgefüllte Thermostat dazu veranlasst, das Ventil zu öffnen, um den Raum wieder auf die eingestellte Temperatur zu bringen. Es arbeitet daher gegen die Heizungssteuerung.
Diese witterungsgeführten Heizungssteuerungen hören sich zwar in der Theorie wunderbar an, bringen aber, meiner Meinung nach, in der Praxis bei weitem nicht die Einsparung, welche mit diesen elektronischen Thermostaten erzielt werden kann. Denn bei diesen wird die echte Raumtemperatur gemessen und da bleibt das Heizkörperventil so lange geschlossen bis die eingestellte Spar-Temperatur erreicht wurde. Einzelraumregelung eben.


Fazit

Bei der Heizkostenersparnis und Zuverlässigkeit kann man eigentlich nur zufrieden sein. Sagenhafte 23% der Heizkosten wurden eingespart und nicht ein einziger der 6 Regler ist ausgefallen. Allein bei der Software sehe ich noch das eine oder andere Verbesserungspotential, vor allem was die Vorlagen betrifft, aber das ist echt Jammern auf hohem Niveau.
Das oft angesprochene Geofencing vermisse ich aus oben angeführten Gründen nicht, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Unabhängigkeit von externen Anbietern ist mir weitaus wichtiger.







Kommentare:

  1. Moin Stefan,

    danke für den Beitrag. Aktuell überlege ich auch, mir die AVM Dinger anzuschaffen, da ich endlich nach Jahren einen möglicherweise passenden Adapter auf unsere blöden Reich Ventile gefunden habe.
    Fritzbox ist ja vorhanden, dann werde ich mal ein 301 bestellen und probieren, ob ich den ein Reich Ventil adaptiert bekomme.

    Grüße
    Michael

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    1. Wem sagst du das, wie bei uns in Österreich die Herz Ventile....

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