Dienstag, 2. August 2016

Edelstahlgeländer selber bauen

Unsere Terrasse liegt ca. 1,5m über Bodenniveau und dadurch ist ein Geländer unerlässlich und sogar Vorschrift. Der einfache Weg wäre natürlich gewesen, eines speziell anfertigen zu lassen. Allerdings würden so die Kosten explodieren und wir haben uns daher entschlossen eines selber  zu bauen. Dazu kommt noch, dass wir einen Schlosser und Schweißer in der Familie haben. Danke!

Wie am Bild ersichtlich haben wir uns für ein Edelstahlgeländer mit Glaselementen entschieden. Doch bevor das Glas eingesetzt werden kann, muss natürlich das Geländer errichtet werden. Alle nötigen Edelstahlelemente habe ich bei Edelstahl-Handel Altmann OHG gekauft, da dies einer der wenigen Shops ist, der auch alle nötigen Spezialteile auf Lager hat, diese im Shop anbietet und preislich sehr attraktiv ist. Die Glaselemente hat eine örtliche Glaserei geliefert.


Technische Daten

Folgende Dinge müssen vor dem Start festgelegt werden:
Rohrdurchmesser 42,4mm
Glasstärke: 12mm VSG
Geländerhöhe: 1,10m
Gesamtlänge: ca. 8m

Da das Geländer im Freien steht, habe ich mich für eine seitliche Montage entschieden, weil so kein Wasser in die Bohrlöcher fließen kann, was diese später bei Frost sprengt. Anomalie des Wassers....

Ausgangsituation



Edelstahlelemente montieren

Für die Montage der vertikalen Steher im Mauerwerk werden Gewindestangen  (M8) mittels Injektionsmörtel  eingeklebt, an welchen später die Montageplatten befestigt werden können. Ich rate von Kunststoffdübeln ab, da diese bei weitem nicht die Festigkeit bieten wie eben dieser Montagemörtel.

Es ist selbstredend, dass beim gesamten Geländer sehr genau und vor allem mit Wasserwaage gearbeitet werden muss.

Die Steher, welche nicht an den Stufen montiert werden, wurden in entsprechender Höhe vorgefertigt. Dazu wird eine Anschraubplatte über ein Flachmaterial an das Edelstahlrohr  geschweißt. Mehr dazu später.

Ein WIG-Schweißgerät ist bei derartigen arbeiten unerlässlich!
Mit einer Schlagschnur kann an der zu montierenden Stirnseite der Terrasse die Höhe der Montagelöcher angezeichnet werden.
Bei den Stiegen wird jedes Bohrloch (10mm) individuell angezeichnet. Hier habe ich auch darauf geachtet, dass die Bohrung in den Beton unter dem Stiegenstein verläuft, und nicht in den Stiegenstein selbst, da dieser nur auf der Betonstiege verklebt ist.

Hier im Bild die Anschraubplatte

Ein Reinigen der Löcher ist unerlässlich, da sonst der Injektionsmörtel nicht anständig haftet. Ich habe das mit dem Staubsauger erledigt. Besser wäre es allerdings mit dem Druckluft ins Loch zu blasen.

Nun kann der Injetionsmörtel ins Bohrloch gepresst werden:









Nobody is perfect.... Auch ich habe mich verbohrt, zum Glück an einer Stelle wo man's später nicht sehen kann.
Bevor der Kleber Aushärtet muss die Gewindestange (ebenfalls Edelstahl) in das Bohrloch geschoben werden. Es ist darauf zu achten, dass noch genug Gewinde aus dem Loch ragt, um die Anschraubplatte samt Mutter und Beilagscheibe Montieren zu können. Andererseits sollte die Stange auch mindestens 10cm in den Beton und Kleber ragen. Dementsprechend lang sind diese auch zuzuschneiden.














Die Steher bei den Stiegen können erst mit dem Handlauf montiert werden, um deren exakte Höhe zu ermitteln.


Ecksteher

Ein wenig komplizierter werden die Ecksteher montiert. Dazu gibt es gewinkelte Anschraubplatten, welche aber erst ein wenig bearbeitet werden müssen, da diese sonst nicht auf den eingeklebten Gewindestangen montiert werden können. Diese Anschraubplatten sind wohl eher für Dübelmontage vorgesehen.
Es muss ein Schlitz statt einen Loch geschnitten werden. Dazu habe ich ein zusätzliches Loch in die Anschraubplatte gebohrt um anschließend mit dem Winkelschleifer zu diesem zu schneiden.


Wichtig: Eine Trennscheibe für Edelstahl verwenden, mit der vorher noch nie normaler Stahl geschnitten wurde, sonst rostet es.

Ebenfalls muss bei den Ecksteheren ein längeres Flachmaterial verbaut werden. Dessen Länge könnte man auch mit dem Pythagoras berechnen, das passt aber nur in den seltensten Fällen. Daher lieber länger kaufen und zuschneiden.
Nachdem die Anschraubplatte montiert ist kann alles verschweißt werden. Zuerst punkten, dann ausrichten und zum Schluss fix verschweißen.




Handlauf

Der Handlauf kann entweder geschraubt oder geschweißt werden. Da es dezenter aussieht haben wir uns fürs Schweißen entschieden.
Dazu müssen die Rohrträger an den Stehern montiert werden. Die flexible Variante wird bei den Stiegen verwendet. Auf die mit den Rorträgern mitgelieferte Anschraubplatte kann, falls geschweißt wird, verzichtet werden.
Ist die Länge des Handlaufs ermittelt, kann ein Eckfitting auf das zugeschnittene Rohr gesteckt und angeschweißt werden. Danach kann der Handlauf auf den Stehern montiert werden.

















Hier zeigt sich dann wie genau man gearbeitet hat. Der Handlauf sollte ohne weiteres Zutun auf allen Rohrträgern aufliegen. Ist das nicht der Fall, müssen die fehlerhaften Steher nachgebessert werden (zB. durch Feilen). Ist mir auch nicht erspart geblieben....

Glashalter

Steher sind montiert, Handlauf ist drauf, fehlt nur mehr das Glas und das wird mit den Glasklemmen gehalten. Diese können wiederum auf zwei unterschiedlichen Arten montiert werden: Schrauben oder schweißen. Ich habe beides probiert.

Geschweißt sieht so aus:
und geschraubt so:
Bei der Geschraubten Variante wird ein Loch in den Steher gebohrt und anschließend eine Blindnietmutter eingeschoben. Diese verpressen sich beim Anschrauben mit dem Edelstahlrohr.










Mit dieser Methode kann die Klemme noch minimal justiert werden.

Nun können die einzelnen Glasscheiben ausgemessen und bestellt werden.

Glas montieren

Die Glasklemmen bieten die Möglichkeit das Glas mittels eines Sicherungsstiftes zu fixieren. Diese Möglichkeit sollte auch genutzt werden, zumindest 2x pro Glasscheibe. Durch Sommer/Winter bzw. kalt/warm wandert die Glasscheibe, motiviert durch die Schwerkraft, kontinuierlich nach unten und muss ohne diese Sicherungsmaßnahmen öfters nachgestellt werden. Außerdem habe ich wenig Vertrauen dass der eingelegte Gummi das Glas auch hält, wenn sich zB. ein Kind daran hoch zieht.
Glasereien wollen jedoch diese Sicherung nicht da es für sie einen zusätzlichen Aufwand bedeutet.

In die Glasklemme muss zuerst die Gummieinlage eingelegt werden (rechtes Bild).










Der Sicherungsstift hat auch eine Gummiauflage.

Das Glas wird in die Klemmen eingelegt, und mit zwei Klemmen so fest geschraubt, dass es sich noch leicht verschieben lässt, so dass die beiden Sicherungsstifte in die dafür vorgesehene Löcher passen.









Nun kann alles fest verschraubt werden.

Endkappen

Jedes freie Ende des Handlaufs bzw. auch der Steher (Unterseite) sollte mit einer Endkappe verschlossen werden. Das hat einerseits beim Handlauf optische Gründe, andererseits verhindert dies, dass sich Insekten (Wespen, Bienen,...) in die leeren Rohre einnisten und später zur Gefahr werden.




Das fertige Geländer schaut schlussendlich so aus:





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