Mittwoch, 4. März 2020

Band und Tellerschleifmaschine Holzmann BT1220

Jedes Mal, wenn ich was zum Schleifen hatte, ging ich zum Werkzeugschrank, holte den Hand-Bandschleifmaschine raus, montierte ihn am Tisch und ärgerte mich über die umständliche Prozedur sowie die ungenügende Leistung der Maschine. Somit zog die Holzmann BT 1220  nach einiger Recherche in meine Werkstatt ein.

Die Maschine ist ein China Import, dem muss man sich im Klaren sein, wenn man sich so eine zulegen will. Das muss aber nicht zwangsläufig schlecht sein, man darf aber auch keine Premium-Qualität erwarten, vor allem was die Verarbeitung betrifft.

Warum gerade diese Maschine?

Eine eierlegende Wollmilch-Sau habe ich leider auf meiner Suche nicht gefunden. Aber bei sowas ähnlichen wollte ich schon zuschlagen, und zwar der Scheppach OSM600. Diese Maschine vereint einen Band- und Spindelschleifer mit ausreichender Motorisierung (zumindest laut Spezifikation, ausprobiert habe ich das Gerät nicht). Schönes Gerät, aber ich dachte, die wäre mir zu klein....

Bei der Massenware wie Scheppach BTS900, BTS800, Einhell TC-US 400 und wie sie auch noch alle heißen, wusste ich schon im Vorhinein, dass mir die Maschinen zu klein und zu schwach sein werden. Es gibt bestimmt brauchbare Maschinen darunter, aber für meinen Geschmack zu wenig massiv gebaut. Ich will da auch mal anständig  dagegen drücken können, ohne dass das Gerät in die Knie geht.

Also nahm ich etwas mehr Geld in die Hand und kaufte die nächstgrößere Liga, eben die BT1220.
Bei der Schwester der BT1220TOP ist weniger Guss aber mehr Blech verbaut und schied deshalb aus.

Technische Daten

Motor:      230 V, 750 W
                 1.400 U/min.
Schleifteller: Ø 230 mm
Schleifband: 1.220 x 150 mm
Tisch (dreh- und schwenkbar): 310 x 190 mm
Schleifauflagefläche: 440 x 170 mm
Umlenkrollen: Ø 72 mm

Aufbau

Die Holzmann besteht fast zur Gänze aus Gusseisen. Das wird einem relativ schnell bewusst, wenn man die Schachtel mit dem Gerät in die Werkstatt versucht zu tragen: 52kg. Also nichts für Leute mit Rücken... Aber die Maschine ist dadurch äußerst standfest und stabil.












Eine "Aufbauanleitung" in dem Sinne gibt es nicht, aber eine brauchbare Explosionszeichnung anhand der sich ein ambitionierter Heimwerker zurechtfindet. Ersteres findet man aber bei diesen Chinageräten eher selten.

Fertig aufgebaut
Lediglich die Abdeckungen sind aus Blech und die Ansaugstutzen aus Plastik. Der Rest ist äußerst massiv gebaut.

Das Untergestell

Ich habe mir die Mühe gespart und das originale Untergestell nicht aufgebaut. Es hat zwar auf mich keinen schlechten Eindruck gemacht, es können jedoch keine Rollen montiert werden. Höhenverstellbare Standfüße (gummiert) sind dabei.
Stattdessen habe ich mir ein Fahrgestell aus Holzresten gebaut. Darin steht auch gleich mein alter Staubsauger mit Einschaltautomatik, sowie sind Fächer für Ersatzschleifpapier usw. verbaut.











Tellerschleifer

Beim Tellerschleifer kann ein schwenkbarer Tisch angebaut werden. Dieser hat auch eine Nut, in welche ein Winkelanschlag eingeschoben wird. Die Nut ist leider nicht gefräst und dadurch hat das Aluminium-Profil des Anschlags viel Spiel. Klebeband an den Seiten des Profils löst das Problem 😉













Der Auflagetisch ist auf einem Rundstab geschraubt, welcher mit einer Wurmschraube befestigt, im Grundrahmen steckt. Es macht zwar auf den Bildern einen labilen Eindruck, ist aber äußerst stabil. Die Stange dürfte gehärtet sein.

Bei der Neigungsverstellung musst ich mit ein paar Beilagscheiben nachbessern. Die Halterung und die Winkelführung waren nicht bündig, sodass man keine Neigung hätte einstellen können.











Hier sollte Holzmann nachbessern...

Es werden übrigens selbstklebende Schleifscheiben verwendet.



Bandschleifer

Die Länge des Schleifbandes beträgt 1220mm, woher auch der Name für die Maschine entstanden sein dürfte. Die Breite beträgt 150mm.
Bei der Größe lässt es sich schon angenehm arbeiten. Noch dazu besteht der Ausleger ebenfalls aus Gusseisen, wodurch dieser extrem stabil ist. Der Anschlag besteht ebenfalls aus Guss.













Die Zentrierung des Bandes kann über zwei Rändelmuttern an der Umlenkrolle eingestellt werden. Das ist zwar ein kleines Geduldsspiel, aber einmal richtig eingestellt, muss man es nicht mehr ändern.

Der Ausleger kann im Übrigen auch um 90° von horizontal auf vertikal gedreht werden. In diesem Fall kann man dann auch den Tisch vom Schleifteller als Auflage verwenden/umbauen.



Staubabsaugung

Beim Tellerschleifer ist der Stutzen für die Absaugung am Keilriemengehäuse montiert. Diese funktioniert auch relativ gut, sodass nahezu der komplette Schleifstaub abgesaugt wird.

In den Stutzen kann ein gewöhnliches HT Abwasserrohr mit 50mm Durchmesser gesteckt werden. Mit einer Reduktion auf 40mm gehts dann weiter zum Saugschlauch. Ich hatte die Reduktion zu Hause, überlege diese aber durch eine kurze Version zu ersetzen.

Das HT-Rohr passt dann auch beim Anschluss für den Bandschleifer. Die Effektivität dieser Absaugkappe lässt aber zu wünschen übrig. Der meiste Schleifstaub fliegt über die Absaugung hinweg. Hier sollte der Auffangbereich der Kunststoffschale etwas angehoben werden.


Betrieb

Leistung ist mehr als ausreichend vorhanden. Der Motor ist für seine 750W relativ groß, aber dadurch bleibt seine Oberflächentemperatur eher im moderaten Bereich. Viel mehr als handwarm wurde der bei mir jetzt nicht.
Es wird ein Schleifband mit K80 und eine Schleifscheibe mit K100 mitgeliefert. Die Materialabnahme mit dem Papier ist jedenfalls brutal, sodass ich ein etwas feineres Papier empfehlen würde.
Die Drehzahl fällt jedenfalls nur unmerklich ab, wenn man mal mit einem großen Stück Holz auf das Schleifband drückt, was mir zugegebenermaßen jedes Mal ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Spätestens jetzt bin ich froh zur größeren Maschine gegriffen zu haben und erinnere mich an die qualvollen Zeiten mit dem Handbandschleifer zurück.

Müssen allerdings Einstellungen an der Maschine (Neigung,...) vorgenommen werden, ist der Griff in den Werkzeugkasten unerlässlich. Für fast jede Einstellung benötigt man einen Schraubendreher, Innensechskantschlüssel oder Schraubenschlüssel. Es ist wohl dem Preis geschuldet, dass keine Sterngriffe o.ä. verbaut wurden. Ich denke hier werde ich noch etwas Geld in die Hand nehmen und nachbessern, denn das stört schon ein wenig.


Fazit

Die Holzmann BT1220 ist eine grundsolide massive Maschine. Abstriche muss man bei der Passgenauigkeit der Teile und der Bedienerfreundlichkeit hinnehmen. Ebenso könnte die Absaugung beim Bandschleifer etwas besser funktionieren. Das sind aber alles Themen, die kein Show-Stopper sind, sondern man relativ leicht nachbessern kann, was ich in meinen Fall auch tun werde.
Schön ist, dass offensichtlich bei der Entwicklung der Maschine, beim Aufbau, Stabilität und Leistung nicht gespart wurde, weshalb ich das Gerät auch trotz der kleineren Mängel weiterempfehlen kann. Es muss halt jedem klar sein, der sich eine Maschine in diesem Preissegment kauft, keinen Rolls Royce zu erhalten.


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